dpa

Sprengstoff-Plattform "xplosives.net" stillgelegt

20.8.2019 20:46 Uhr

Anleitungen zum Bau von Kriegswaffen und Bomben, für jeden problemlos abrufbar im Internet - heute gelang der Polizei ein Schlag gegen die Sprengstoff-Plattform "xplosives.net". Dafür war ein Großaufgebot an Polizeikräften in neun Bundesländern sowie in Litauen und Kroatien nötig.

Der Server und zahlreiche Datenträger seien beschlagnahmt worden, sagte der Präsident der Polizeidirektion Göttingen, Uwe Lührig, am Dienstag. Auf der Plattform seien Anleitungen zum Bau von Kriegswaffen und Bomben sowie zur Herstellung von Sprengstoff zu finden gewesen.

Der Einsatz habe am Dienstagmorgen um 4.30 Uhr in neun Bundesländern sowie in Litauen und Kroatien begonnen. Dabei seien Sprengstoff und Rauschgift sichergestellt worden. Die Durchsuchungen richteten sich gegen 22 Verdächtige im Alter von 17 bis 55 Jahren. Alle beschuldigten Männer seien Deutsche. Rund 1000 Einsatzkräfte waren nach Angaben der Polizei Göttingen beteiligt.

Sprengstoff-Meisterschaften?

Die Plattform war nach bisherigem Erkenntnisstand seit dem Jahr 2006 online. Im vergangenen Jahr gab es rund 360 aktive Mitglieder. Hinweise auf ein politisches Motiv liegen bisher nicht vor. "Einen politischen Hintergrund gibt es nicht, haben wir nicht festgestellt", sagte Lührig. Eher sei von einer Wettbewerbssituation auszugehen: "Das waren fast Meisterschaften, die dort ausgespielt worden sind."

Zur Frage, ob die Waffen und der Sprengstoff auch gegen Menschen eingesetzt werden sollten, gebe es noch keine Erkenntnisse. "Wir können es nicht ausschließen", sagte Lührig. Festgenommen wurde keiner der Beschuldigten, da es derzeit keine Anhaltspunkte für Flucht- oder Verdunklungsgefahr gebe, wie Oberstaatsanwalt Ingo Rau, Leiter der Zentralstelle Cybercrime bei der Staatsanwaltschaft Göttingen, sagte.

In Deutschland erfolgten die Durchsuchungen in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen. Begonnen hatten die Ermittlungen vor gut einem Jahr, im September 2018.

(be/dpa)

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