dpa

Spieltag mit Zuschauern "nicht realistisch"

10.3.2020 3:16 Uhr

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus stellt sich die Deutsche Fußball Liga auf Geisterspiele am nächsten Bundesliga-Wochenende ein. "Wir würden am liebsten schon nächsten Spieltag mit Zuschauern spielen. Das ist aber leider nicht realistisch", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Montag bei "Bild live", schloss aber eine Komplett-Absage des kommenden Spieltags aus. "Wir haben entschieden, dass der Spieltag stattfindet, rein sportlich. Mit wie vielen Zuschauern und ob ohne, das ist eine Entscheidung, die die Behörden treffen müssen", sagte der 50-Jährige.

Zuvor hatte Gesundheitsminister Jens Spahn erneut dazu aufgefordert, Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen. "Es ist sicher leichter, auf Konzerte und Fußballspiele zu verzichten als auf den Weg zur eigenen Arbeit zu verzichten. Diese Abstufung und diese Entscheidung für jeden einzelnen. Jeder Bürger muss dabei einen Beitrag leisten", sagte der CDU-Politiker am Montag in Berlin.

Spielpause oder Geisterspiele?

DFL-Chef Seifert sprach von "einer Ausnahmesituation, die wir alle noch nicht erlebt haben. Das betrifft ja auch Handball, Basketball oder auch die Dritte Liga." Eine Spielpause in der Bundesliga sei jedoch "illusorisch" und bringe nichts. Es war auch darüber spekuliert worden, ob Spieltage auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden könnten, um so Geisterspiele zu vermeiden.

"Das ist nicht zu Ende gedacht. Da gibt es Verträge, sportliche Konsequenzen. Abstiege und Aufstiege. Wir brauchen den geregelten Spielbetrieb. Aufzuhören ist keine Option. Wir brauchen Mitte Mai eine Tabelle, damit die Clubs planen können", sagte Seifert dazu.

Folgen in der 2. Liga

In der 2. Liga dagegen würde die DFL Spielverlegungen prüfen. "In der Bundesliga ist das schwieriger wegen der internationalen Spiele einiger Clubs", erklärte Seifert. So sind der FC Bayern München, Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt auch noch im DFB-Pokal-Halbfinale und im Europacup vertreten.

Schon am Sonntag hatte Seifert eine Krisensitzung angekündigt und die Tür für Geisterspiele geöffnet. Er hatte betont, "dass die Saison wie vorgesehen bis Mitte Mai zu Ende gespielt werden muss, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer für die internationalen Wettbewerbe zu ermitteln". Im italienischen Fußball wurden wegen der Ausbreitung von Sars-CoV-2 seit Ende Februar etliche Spiele verschoben oder vor leeren Rängen ausgetragen, so auch das Spitzenspiel am Sonntag zwischen Meister Juventus Turin und Inter Mailand (2:0).

Entschädigungen für Fans

Die Frage von Entschädigungen für Fans, die Tickets erworben haben, stehe "ganz oben auf der Agenda der Vereine", sagte Seifert der "Bild". Bei Geisterspielen dürfen neben den beteiligten Mannschaften noch Betreuer, Ballkinder, Arena-Personal und Journalisten dabei sein.

In der Bundesliga waren zuletzt erste Vorsichtsmaßnahmen eingeführt worden. Mehrere Clubs wiesen ihre Spieler unter anderem an, bis auf Weiteres keine Autogramme mehr zu schreiben und auch nicht für Fotos oder Selfies mit den Fans zur Verfügung zu stehen. Zudem wurde der obligatorische Handschlag vor den Spielen ausgesetzt. In manchen Arenen wurden Fans zusätzliche Desinfektionsmittel angeboten.

(gi/dpa)

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