epa/Sascha Steinbach

SPD muss kapitalismuskritischer werden

29.5.2019 6:17 Uhr

Martin Schulz, der ehemalige Vorsitzende der SPD, hat die Pläne von Andrea Nahles kritisiert, sich kommende Woche vorzeitig zur Wiederwahl zu stellen. "Diese Wahl ist für September angesetzt", sagt er der Wochenzeitung "Die Zeit" laut am Dienstag veröffentlichtem Vorabbericht. Der Fraktion müsse Zeit gegeben werden, die jüngsten Entwicklungen zu analysieren.

"Wir sollten Ruhe bewahren und die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit treffen", sagte Schulz. Auf die Frage, ob er selbst gegen Nahles antreten werde, erklärte er: "Diese Frage stellt sich zurzeit nicht."

Kapitalismus richtig vorknöpfen

Das aktuelle Erscheinungsbild der SPD bemängelte Schulz als mutlos. "Uns fehlt die Bereitschaft, uns die Kapitalisten einmal richtig vorzuknöpfen – meinetwegen auch mal populistisch zu sein", sagte der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat. Gerechtigkeit werde nur möglich sein, wenn "die ausufernde Marktmacht von Giganten wie Google, Amazon oder Facebook" beherzt bekämpft werde.

"Die Sozialdemokratie wird an dem Tag wiedergeboren, an dem sie den Mut besitzt zu sagen: Der Klassenkampf, der Kampf um Gerechtigkeit, ist immer noch da, aber er wird nicht mehr national, er muss jetzt international geführt werden." Zugleich räumte er eigene Fehler ein. Er selbst habe zwar im Herbst 2017 schon gesagt, dass die SPD die Systemfrage wieder stellen müsse. Er habe es damals aber versäumt, dies nachhaltig und laut genug fortzusetzen.

(an/dpa)