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SPD-Chefin Andrea Nahles: "Traue mir Kanzlerkandidatur zu"

6.2.2019 14:53 Uhr

SPD-Chefin Andrea Nahles hat Zweifel von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) an ihrer Eignung für eine Kanzlerkandidatur zurückgewiesen. "Wenn ich mir eine Kanzlerkandidatur nicht zutrauen würde, hätte ich mich niemals um das Amt der SPD-Vorsitzenden beworben", sagte Nahles dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

"Aber die Entscheidung darüber steht jetzt nicht an." Schröder hatte zuvor dem "Spiegel" gesagt, unabdingbare Voraussetzung für eine Kanzlerkandidatur und mögliche Kanzlerschaft sei wirtschaftlicher Sachverstand. Auf die Frage, ob Nahles diese Kompetenz besitze, sagte er: "Ich glaube, das würde nicht mal sie selbst von sich behaupten."

Intern wird in der SPD davon ausgegangen, dass es längst Absprachen mit Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz gibt, dass er die Kandidatur übernehmen könnte. Er hatte im Januar der "Bild" mit Blick auf die neue CDU-Chefin gesagt: "Frau Kramp-Karrenbauer hat gerade gesagt, dass von einer Parteivorsitzenden erwartet wird, dass sie sich das Amt zutraut. Für einen Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland gilt das Gleiche."

Nahles unter Druck

Nahles steht unter großem Druck, eine Trendwende herbeizuführen: Die SPD dümpelt bei 15 Prozent in Umfragen, was ohnehin die Frage aufwirft, ob man da Ansprüche auf die Kanzlerschaft anmelden kann.

Unter dem Deckmantel der Anonymität säen auch führende aktive SPD-Politiker Zweifel, ob sie noch lange im Amt bleiben kann - sie wurde im April 2018 zur ersten Vorsitzenden der SPD gewählt. Da es aber auch Verdruss über Scholz gibt, kommt von mehreren SPD-Landesverbänden die Forderung, den nächsten Kanzlerkandidaten per Urwahl durch die Mitglieder zu bestimmen.

Auch der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel fiel zuletzt durch rhetorische Seitenhiebe gegen Nahles auf. Auf die Frage, ob sie lieber Schröder oder Gabriel auf eine einsame Insel schicken würde, sagte Nahles dem "RND": "Keinen von beiden. Das wäre garstig."

(an/dpa)