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Spannungsabbau im Mittelmeer: Heiko Maas besucht Ankara und Athen

23.8.2020 15:57 Uhr

Deutschland startet vor dem informellen Außenministertreffen der Europäischen Union am 27. August eine neue Vermittlungsmaßnahme zwischen der Türkei und Griechenland. Bundesaußenminister Heiko Maas wird Ankara und Athen besuchen, um die Spannungen über die umstrittenen Festlandsockelgebiete im östlichen Mittelmeerraum abzubauen.

Bundesaußenminister Heiko Maas wird am 25. August Athen und Ankara besuchen, um sich zuerst mit seinem griechischen Amtskollegen Nikos Dendias und dann mit dem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu zu treffen. Ziel des diplomatischen Kurztrips von Außenminister Maas ist es, die Spannungen zwischen den beiden NATO-Verbündeten und Nachbarstaaten abzubauen. Der deutsche Topdiplomat will beide Seiten dringend anhalten, die türkisch-griechischen Gespräche für eine friedliche Lösung der Probleme in der Ägäis und im Mittelmeer wieder aufzunehmen.

Oruc Reis forscht im Mittelmeer

Ein früherer Versuch von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel war gescheitert, nachdem Griechenland ein Seeabgrenzungsabkommen mit Ägypten als Antwort auf ein Abkommen zwischen der Türkei und Libyen unterzeichnet hatte. Die Vertragsunterzeichnung erfolgte nur einen Tag vor der Wiederaufnahme von Sondierungsgesprächen zwischen Ankara und Athen als Ergebnis der deutschen Vermittlung.

Verärgert über den griechischen Vorstoß hatte die Türkei ihr Forschungsschiff Oruc Reis ins Mittelmeer geschickt, um die seismischen Forschungen in dem umstrittenen Gebiet wieder aufzunehmen. Die Region wird von Griechenland als seinem Festlandsockel zugehörig angesehen. Die Türkei hingegen stellt die griechischen Ansprüche in Frage. Ein NAVTEX, ein Hinweis für die von der Türkei herausgegebenen Seeleute, teilt mit, dass die Oruc Reis ihre Arbeit in der Region bis zum 23. August beenden wird.

Maas-Besuch soll Wogen glätten

Der Besuch von Außenminister Maas in der türkischen und griechischen Hauptstadt kommt zu einem Zeitpunkt, da die Türkei plant, ihr Vermessungsschiff aus dem umstrittenen Gebiet zurückzuziehen. Damit soll nach Angaben aus Ankara der Weg für diplomatische Lösungen geebnet werden. Deutschland hofft, beim Treffen mit den hochrangigen Beratern von Präsident Recep Tayyip Erdogan und dem griechischen Premierminister Kyriakos Mitsotakis den Gesprächsweg wieder zu öffnen. Maas wird die EU-Außenminister wegen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft am 27. August zu einem informellen Treffen empfangen. Auf der Agenda stehen ganz oben die Spannungen im Mittelmeerraum. Maas plant, ein Drei-Wege-Beratertreffen am 28. August abzuhalten.

Die EU wird Ende September unter der Leitung von Charles Michel, Präsident des EU-Rates, einen Sondergipfel auf Führungsebene abhalten. Griechenland und Frankreich drängen auf harte Sanktionen gegen die Türkei, um ihre Aktivitäten im Mittelmeerraum zu unterbinden. Viele EU-Länder, darunter Deutschland, Italien und Spanien, stehen den Sanktionen gegen die Türkei eher ablehnend gegenüber, da man meint, Sanktionen würden die Situation nur weiter verschlechtern.

(ce)

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