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Sohn von Alexander Solschenizyn hatte normale Kindheit

6.12.2018 14:44 Uhr

Verfolgung und weltweiter Ruhm des Vaters, Wanderjahre im Exil - der Sohn des russischen Literaturnobelpreisträgers Alexander Solschenizyn hat seine Kindheit trotzdem als ganz normal erlebt. "Es war nicht so viel anders als bei meinen Freunden, außer dass bei uns zu Hause immer mehr los war", sagte der Musiker Ignat Solschenizyn (46) der Deutschen Presse-Agentur in Moskau.

Zum 100. Geburtstag seines Vaters am 11. Dezember dirigiert er die Oper "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" am Bolschoi-Theater. Premiere ist am Freitag.

"Er fühlte sich seinem Werk sehr verpflichtet und er wollte, dass wir sein Werk respektieren und daran teilhaben", sagte der mittlere von drei Solschenizyn-Söhnen über den Vater. Ansonsten sei dieser für einen so bedeutenden Menschen «erstaunlich normal» gewesen. Für sich selbst hoffe er, dass die Selbstdisziplin und das künstlerische Talent des Vaters auf ihn abgefärbt haben.

Der Schriftsteller und Dissident Alexander Solschenizyn (1918-2008), Autor der Lagerchronik "Archipel Gulag", gilt als prägende Figur der russischen Literatur und Geschichte des 20. Jahrhunderts. 1974 bürgerte die Sowjetunion den Kritiker aus. Mit seiner Familie lebte er im Exil in Deutschland, in der Schweiz und schließlich im US-Bundesstaat Vermont, bevor er 1994 nach Russland zurückkehrte. Sohn Ignat wohnt heute als Dirigent und Pianist in New York, tritt aber häufig in Russland auf.

Die Oper "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" stammt von dem zeitgenössischen russischen Komponisten Alexander Tschaikowski und wurde 2009 in Perm uraufgeführt. Sie beruht auf Solschenizyns erstem Roman, in dem er aus eigener Erfahrung vom Leben und Überleben im sowjetischen Straflager berichtete.

(an/dpa)