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So kommen Wasser, Strom und Co. in den Garten

4.6.2019 18:21 Uhr

Ein naturbelassener Garten ist etwas wirklich Feines. Aber sowohl wenn man dort werkelt, wie wenn man sich einfach nur entspannen will, kann es unheimlich praktisch sein, gewisse Dinge da zu haben, die nicht ganz so naturbelassen sind.

Wenn die Sommersonne vom Himmel scheint und sämtliche Pflanzen des Beetes vor Durst die Köpfe hängen lassen, greift sich der gute Gärtner natürlich die Gießkanne, füllt sie drinnen am Wasserhahn oder (besser für Pflanzen und Geldbeutel) draußen in der Regentonne und legt los – oder besser gesagt schleppt sich je nach Beet-Größe auch die Schweißtropfen auf die Stirn, wenn er dutzende Male zwischen Gemüse und Quelle verkehren muss.

Jetzt eine elektrische Pumpe im Regenfass, an die man den Schlauch anschließen könnte – oder ein Hahn direkt am Beet, ein Traum. Nun, sofern man handwerklich geschickt ist, muss das kein Wunschtraum bleiben. Denn dann kann man sowohl Wasser wie Strom und selbst Fernsehen und Internet in seinen Garten bringen. Wie es geht, zeigt der folgende Artikel.

Bitte beachten: Der Ratgeber wurde nach bestem Wissen allerdings unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung erstellt. Arbeiten mit Elektrik und Wasser, sofern sie nicht fachmännisch ausgeführt wurden, können im Schadensfall große Probleme mit der Versicherung nach sich ziehen.

1. Wasser

Ein Wasseranschluss im Garten ist natürlich primär ziemlich praktisch. Eltern jedoch werden auch andere "dankbare Abnehmer" finden. Bildquelle: fotolia.com © Kzenon

Um selbst im hintersten Teil des Gartens Wasser zu haben, muss die Arbeit im Haus beginnen. Genauer gesagt im Keller am Wasserzähler. Dort schaut man sich an, wie sich die Wasserleitungen, die das Haus versorgen, aufsplitten – und nimmt die, die am dichtesten an einer Außenwand in Richtung Garten verläuft. Dann gibt es drei Optionen:

  1. Man setzt an einem passenden Punkt der Leitung eine Abzweigung ein, ein wegen der Form sogenanntes T-Stück. Das ist zwar die sauberste Lösung, gleichsam aber auch ein Job, den man dem Sanitär-Installateur überlassen sollte.
  2. Man sucht sich in der Nähe einen bestehenden Wasseranschluss. Etwa ein Waschbecken im Keller. Auch dort setzt man ein T-Stück, allerdings direkt an der Wasserversorgung, sodass man keine bestehenden Leitungen durchtrennen muss.
  3. Man setzt an einem Außen-Wasserhahn eine Abzweigung, wo die Leitung aus der Wand kommt. Das ist die einfachste Option, denn man muss keine Wände durchbohren.

Wichtig ist auf jeden Fall, dass man a) an der Abzweigung einen Absperrhahn installiert, um die Gartenleitung vom Rest trennen zu können und b) sich am Durchmesser der Leitung orientiert. Das heißt, sowohl die Abzweigung wie die Leitung, die man in den Garten führen wird, sollte den gleichen Innendurchmesser aufweisen wie der Rest des Systems. Dazu reicht es, den Außendurchmesser abzumessen. Mit Hilfe der genormten Umrechnungstabellen erfährt man somit genau, was man kaufen muss.

Für das gesamte System empfehlen wir, Kunststoff-Kaltwasserleitungen zu nutzen. Sie sind wesentlich "heimwerkertauglicher" als beispielsweise Kupferrohre und können spielend leicht mit Anschlüssen versehen werden.

Falls man im Inneren des Kellers startete, beginnt die eigentliche Arbeit nun damit, von der Abzweigung aus Leitungen auf dem Putz in Richtung der Außenwand zu verlegen. Diese werden mit geschraubten Schellen an den Wänden gehalten.

Bevor man die Außenwand durchbohrt, sollte man dort außen bereits ein Loch graben.

Wichtig: die Wasserleitung darf niemals einfrieren. Deshalb muss sie einen Meter tief verlegt werden. Und zwar bereits ab dort, wo sie aus der Hauswand austritt. Dies beim Durchbohren bitte beachten.

Technisch ist der schwierige Part damit beendet, dass man das Bohrloch mit Bauschaum und Dickbeschichtung innen wie außen um die Wasserleitung verschließt.

Doch dann wird es schweißtreibend. Ziel ist es, einen Graben bis dorthin zu ziehen, wo man einen Wasserhahn haben möchte. Sollte die Distanz zehn Meter stark überschreiten, kann es sich lohnen, den Spaten gegen einen Mietbagger zu tauschen – der kostet pro Tag etwa hundert Euro.

Wichtig: Wasserleitungen nur in gerader Linie oder rechtem Winkel zum Haus verlegen, nie diagonal. Das reduziert die Wahrscheinlichkeit, in Zukunft bei Grabarbeiten versehentlich darauf zu stoßen.

Ist der Graben gezogen, besorgt man sich eine zum Durchmesser passende Kunststoffleitung. Diese wird aufgerollt wie ein steifer Schlauch verkauft. Man verlegt sie bis ganz ans Ende und schließt dann dort ein 90-Grad-Anschlussstück an, mit dem es nach oben geht.

Wenn die Optik nachrangig ist, reicht ein simpler, am stehenden Wasserrohr angeschlossener Hahn völlig – überdies eine enorm günstige Lösung. Bildquelle: fotolia.com © Alpar

Wie es nach oben gehen soll, muss man sich nun überlegen:

  • Soll einfach nur ein Rohr aus dem Boden ragen, das von einem Hahn gekrönt wird, sollte man ein Stahlrohr anschließen. Das Kunststoffrohr ist zu flexibel, um oberirdisch „stehen“ zu können. Das Stahlrohr hingegen wird von dem Meter Erdreich gut festgehalten.
  • Will man etwas Dekorativeres, benötigt man einen Träger für den oberirdischen Part. Dazu gibt es im Baumarkt beispielsweise Säulen aus Stein oder Stahl. In diese verlegt man das Kunststoffrohr.

Ersteres ist günstiger und technisch simpler. Letzteres kostet zwar mehr, sieht aber deutlich attraktiver aus.

Ist dann auch der Hahn angeschlossen, kann der große Moment kommen: Im Keller bei der Abzweigung dreht man den Absperrhahn auf. Und dann heißt es überall kontrollieren, ob das System dicht ist.

Tipp: Schaufelt man den Graben zu, sollte man bei der Hälfte der Tiefe oberhalb ein Warnband aus Kunststoff in den Boden einlegen (kostet ein paar Euro im Baumarkt). Das ist eine zusätzliche Schutzbarriere, für den Fall, dass jemand in ferner Zukunft nochmals den Spaten ansetzt.

2. Strom

Es kann enorme Vorteile haben, wenn die letzte Steckdose des Gartens nicht auf der Terrasse liegt. Und das bezieht sich nicht nur auf Beleuchtung. Bildquelle: fotolia.com © Viktor

Die Feuchtigkeit, die in der Natur von unten und oben kommt, ist für Wasserleitungen kein Problem. Bei Strom hingegen kann sie lebensgefährlich sein.

Aus diesem Grund gibt es hier im Unterschied zum Wasser auch nur einen Punkt, an dem es losgeht, der Sicherungskasten. Hier lässt man sich von einem Elektriker:

  • eine zusätzliche Sicherung
  • einen FI-Schutzschalter

installieren. Weder greift man bestehende Steckdosen noch Leitungen ab – sowohl innen wie außen. Alles andere ist unsicher für Leben und Material! Auf diese Weise ist die neue Leitung, die in den Garten geht, für sich allein abgesichert.

Ausgehend von dieser Sicherung zieht man nun direkt Erdkabel – auch wenn man es vielleicht erst noch quer durch den Keller verlegen muss. Das ist simpler, als dort nur innenraumtaugliches Kabel zu verwenden, um vor der Durchführung durch die Außenwand erst das Erdkabel anzuschließen.

Dabei empfiehlt es sich, auf fünfpoliges Kabel zu setzen. Zwei Außenleiter (schwarz/braun/grau), zwei Nullleiter (blau), ein Schutzleiter (gelbgrün gestreift). Der Vorteil des fünfadrigen Kabels: Man hat praktisch zwei Kabel in einer Ummantelung. So könnte man an den einen Teil eine Steckdose anschließen, an den anderen einen Lichtschalter und davon ausgehend dann beispielsweise eine Gartenleuchte.

Wichtig: Für diese Anleitung sollte ausschließlich Erdkabel mit dem Code NYY und mindestens 1,5mm² Leitungsquerschnitt verwendet werden.

Was die Tiefe anbelangt, genügt es, wenn man hier 50 Zentimeter tief geht – oder zwei Spatenblattlängen.

Allerdings darf das Kabel nicht ganz so ohne Weiteres ins Erdreich wie das Wasserrohr:

  1. Der Grabenboden wird mit einer zehn Zentimeter tiefen Schicht Sand bedeckt (ganz simpler Bausand).
  2. Dort drauf wird das Kabel locker verlegt – wer es sich einfach machen möchte und die Option will, später aufzurüsten, verlegt es in einem ausreichend dicken Kabelschutzrohr*.
  3. Auf das Kabel bzw. das Schutzrohr wird eine weitere, zehn Zentimeter starke Sandschicht geschüttet.
  4. Es folgt ein Warnband.

Zwar könnte man die Leitung auch „ohne Weiteres“ ins Erdreich verlegen; dafür ist NYY konstruiert. Allerdings ist dies die Profi-Variante, bei der man selbst bei strengstem Frost nie Probleme bekommen wird – und auch nicht mit Wurzeln, Nagetieren und dergleichen.

*Tipp: Wer einen großen bzw. tiefen Garten hat, wo das WLAN nicht hinreicht oder vielleicht mal ein Gartenhäuschen versorgen möchte, sollte bei der Gelegenheit gleich Cat. 6 oder 7 Netzwerkkabel und vielleicht sogar Koaxialkabel A++ mit in das Schutzrohr legen. Perfekt, um daran einen zusätzlichen Router für besseres WLAN, Fernseher oder Radio anzuschließen

Allerdings muss man dort, wo das Kabel aus der Erde herauskommt, abermals sehr genau sein. Denn dadurch, dass man anschließend die falschen Schalter, Leuchten oder Steckdosen verwendet, kann man allen Witterungsschutz wieder zunichtemachen. Alle Installationen müssen gemäß der gültigen Schutzarten mindestens nach IP-44 abgesichert sein.

Allerdings reicht diese Schutzklasse nur, wenn sich die Installationen in einem schützenden Gehäuse befinden (etwa abermals einer Säule, die nicht nur für Wasser, sondern eben auch Strom angeboten wird). Sollte die Gefahr bestehen, dass sie „richtig“ nass(-geregnet) werden, sollte man IP-45 nehmen.

Was den Anschluss selbst anbelangt, funktioniert es wieder so, wie es auch bei jeder normalen Steckdose im Innenbereich gemacht wird.

Indem man die Leitung im Schutzrohr verlegt, kann man später weitere Stromkabel nachrüsten – oder jetzt sofort TV- und Internetkabel mitverlegen. Bildquelle: fotolia.com © rocklights

Und dann ist es auch schon vollbracht. Auch fern des Hauses hat man nun Wasser, Strom sowie gegebenenfalls alle anderen Annehmlichkeiten, die man auch drinnen genießen kann.

(Hürriyet.de)

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