dpa

So gut bewältigen die Kliniken in der Türkei die Corona-Krise

8.5.2020 7:35 Uhr

Fehlende Beatmungsgeräte, zu wenig Intensivbetten und völlig überlastete Ärzte: Zu Beginn der Corona-Krise hatte sich die Türkei auf das Schlimmste eingestellt und Befürchtungen gehabt, die Pandemie nicht bewältigen zu können. Doch mittlerweile zeigt sich: Es läuft besser als erwartet.

Erst vor wenigen Wochen erklärte das türkischen Gesundheitsministerium in einer Pressemitteilung, dass sich die Zahl der Infizierten verzehnfachen würde. Es wurden bereits Vergleiche mit den USA angestellt, wo sich das Virus weltweit am schnellsten ausbreitet. Angst vor italienischen Verhältnissen machten die Runde.

60 Prozent der Betten sind noch frei

Doch die Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet, das türkische Gesundheitswesen hält dem Andrang bisher stand. Wie die türkische Regierung zuletzt mitteilte, seien die Krankenhäuser noch lange nicht ausgelastet. 60 Prozent der Intensivbetten seien noch frei, heißt es.

Dies liegt zum einen an den strikten Corona-Maßnahmen im Land, die erst jetzt behutsam und langsam von der Regierung um Präsident Recep Tayyip Erdogan gelockert werden. Zum anderen ist dieser Erfolg auch auf gut ausgebildete Ärzte und gut ausgestattete Krankenhäuser zurückzuführen.

Pandemie führt zu einer Solidarität

Allerdings arbeiten die Ärzte und Pfleger teilweise bis zur Erschöpfung. Vor allem in Istanbul, dem Epizentrum des Coronavirus in der Türkei. Emre Eskazan, Arzt der Inneren Medizin am Universitätsklinikum Cerrahpasa, hat das am eigenen Leib erfahren. Er infizierte sich mit dem Coronavirus und wurde auf der Station behandelt, wo er sich eigentlich selbst um die Patienten kümmert. Er war immer überzeugt, dass er die Infektion überleben würde. "Die Tatsache, dass ich das Virus schadlos überstanden habe und nun mein normales Leben fortführe, erhöht die Moral meiner Patienten", erzählt Eskazan der Deutschen Welle.

Mittlerweile ist der Arzt wieder voll im Einsatz und kümmert sich um 20 Patienten. Eine 12-Stunden-Schicht gehört, trotz der merklichen Entspannung im Land, noch immer zum Alltag im Krankenhaus. Vieles muss Hand-in-Hand laufen, Teamwork ist mehr denn je gefragt. Die Ärzte und Pfleger im Cerrahpasa-Krankenhaus dürften sich noch nie so nahe gefühlt haben. Zumindest einen guten Effekt hat die Corona-Krise: Die Pandemie führt nicht nur zu Leid, sondern auch zu einer Solidarität in der Gesellschaft.

(bl)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.