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Sieg gegen den Krebs? Spahn erntet weiterhin Kritik

2.2.2019 12:42 Uhr

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich gestern in den Medien darüber geäußert, dass der Krebs in 10 bis 20 Jahren besiegt sei. Ist das eine utopische Vorstellung? Für seine Aussage erntet er jedenfalls weiterhin Kritik, auch seitens Onkologen.

"Das ist eine sehr allgemeine Hoffnung, die so einfach nicht funktioniert", sagte der Leiter des Comprehensive Cancer Center der Berliner Charité, Ulrich Keilholz, den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag.

Bereits in den 1960er-Jahren habe es diese Aussage in den USA gegeben und auch danach immer wieder mal. "Aber diese Aussagen waren eher politisch motiviert als wissenschaftlich fundiert", sagte der Onkologe.

Krebs als Geißel der Menschheit

Spahn hatte der "Rheinischen Post" vom Freitag gesagt: "Es gibt gute Chancen, dass wir in zehn bis 20 Jahren den Krebs besiegt haben." Der medizinische Fortschritt sei immens, die Forschung vielversprechend. "Es gibt Fortschritte bei der Krebserkennung, bei der Prävention."

Auch der Direktor des Cancer Centers am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Carsten Bokemeyer, widersprach Spahn. Zwar werde es in den kommenden zehn Jahren enorme Fortschritte bei der Therapie geben, aber "Krebs ist auch eine Geißel der Menschheit, die in den Zellen angelegt ist", sagte Bokemeyer.

Bei der Behandlung von Krebs liege das Problem häufig in der Resistenz, fügte er hinzu. "Krebszellen entwickeln mit jeder neuen Therapie Mechanismen, um sich gegen den Angriff auf sie zu wehren."

(sis/afp)