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Sensationelles Istanbul-Derby endet 3:3

25.2.2019 21:06 Uhr, von Chris Ehrhardt

Derbyabend in der türkischen Süper Lig. Besiktas Istanbul gegen Fenerbahce Istanbul – das Team der Adler, das noch Meister werden kann und will, gegen das Team der Kanarienvögel, das nicht absteigen will. Würde es ein typisches Derby werden? Viele Rote und dann doch nur ein Remis? Oder gibt es einen klaren Sieg?

Die erste Überraschung war fällig, als die Aufstellung bekannt wurde. Kagawa in der Startelf. Hatte Senol Günes Mut getankt? Und die Hausherren knieten sich sofort rein. Hier sollten die Verhältnisse schnell verdeutlicht werden. Schon in der zweiten Minute musste Volkan im Tor – warum nicht Harun? – Kopf und Kragen riskieren. Doch das half ihm in der 10. Spielminute auch nicht mehr. Flanke von rechts, Vida mit der Vorlage auf Gökhan Gönül und der Mann, der fast ein Jahrzehnt bei Fenerbahce spielte, ließ Volkan Demirel keine Chance – 1:0. Auch der Video-Referee hatte keine Einwände. Würden die Kanarienvögel endlich zurückbeißen?

Fenerbahce früh mit deutlichem Rückstand

Besiktas dreht weiter auf und erspielte sich Gelegenheit auf Gelegenheit. Kagawa war Dreh- und Angelpunkt. In der 15. Minute fällte Hasan Ali Kaldirim bei einer sehr ungeschickten Aktion Gönul, dem er einfach beim Abwehrversuch seitlich in die Beine trat. Der VAR wurde bemüht und auch der brachte kein anderes Ergebnis. Bülent Yildirim warf am Monitor selbst ein Auge drauf und zeigte auf den Punkt – Elfmeter für Besiktas. Burak gegen Volkan – der Angreifer machte das ganz souverän und es stand in der 18. Minute 2:0 im Derby. War es das schon?

Fenerbahce mühte sich jetzt, doch etwas Konstruktives auf den Platz zu bringen und öffnete damit noch mehr Räume für die Adler. Doch Volkan war nun warmgeschossen. Der Referee ließ hier im Derby viel laufen, ohne Karten zu zücken – das war schon erstaunlich. Und die Kanarienvögel formierten sich im Defensivbereich weit besser. Bis zur 35. Minute hielten sich Torchancen in überschaubaren Grenzen. Fenerbahce zeigte sich nun aber immer öfter in der Hälfte von Besiktas. Aber bis zur 42. Minute hatten die Kanarienvögel nicht einen Torschuss zu verbuchen. Null Komma Null. Das war dann doch etwas dürftig, wenn man mit zwei Toren hinten liegt.

In der 45. Minute hatte Fener den ersten Torschuss des Spiels und der ging noch weit daneben. In der zweiten Minute der Nachspielzeit packte Burak den Doppelpack aus. Schöner Ball mit gutem Auge von Kagawa in die Tiefe, Burak startete durch, lief zwei Mann davon und düpierte auch noch Volkan – 3:0. Kannst du mal so machen! Damit sollte die Messe gelesen sein. Mit der 3:0-Führung der Adler ging es dann in die Katakomben.

Konnte sich Fenerbahce im Derby zurückkämpfen?

Ersun Yanal ging zur Halbzeit "Alles oder Nichts". Victor Moses und Mauricio Isla raus, Ayew und Valbuena rein. Wenn schon untergehen, dann zumindest mit Style und Kampf. Muss man anerkennen. Doch bis zur 53. Minute zahlte sich das noch nicht so aus, dass etwas auf der Anzeigetafel zu lesen war - aber auf dem Platz sah man, es kam Bewegung auf. Und dann klingelte es in der 55. Minute. Dirar mit dem erstklassigen Zuspiel von rechts in die Box und da reagierte Miha Zajc am schnellsten - nur noch 3:1 für BJK. Endlich zahlten sich die guten Statistikwerte aus. 64 Prozent Ballbesitz für Fenerbahce, 302 Pässe mit einer Quote von 80 Prozent. Das las sich weit besser als bei den Hausherren - die dafür aber brutal effizient waren.

Häßliche Rudelbildung in der 59. Minute. Ball im Aus. Ein BJK-Reservespieler spielte mit der Pille und Nabil Dirar trat nach ihm. Da war der Marokkaner mit dem gelben Karton noch bestens bedient. Dafür kannst du auch mal fliegen. Doch das husste die Kanarienvögel nur auf. In der 62. Minute kam es auch rechts zum Freistoß. Mathieu Valbuena schlug die Kugel von rechts in die Box, Sadik Ciftpinar schraubte sich hoch - drin. War das der Anschlusstreffer oder nicht? Der VAR meldete sich und auch wenn sich Ciftpinar aufstützte, war das laut Referee nicht entscheidend - Treffer zählte und es stand nur noch 3:2. Und es kam noch dicker für die Adler! Typisches Derby im positiven Sinne!

Ein irres Istanbul-Derby nahm seinen Verlauf

Caner kam für den eher glücklos agierenden Güven Yalcin. Ergebnissicherung! Aber das klappte so gar nicht. Roberto Soldado mit dem gut getimten Ball in der 67. Minute und dann machte Hasan Ali Kaldirim das 3:3 - unfassbar. Was für ein irres Spiel. In weniger als 12 Spielminuten schenkte Besiktas die komplette erste Hälfte her. Kann man sich so nicht ausdenken. Würden die Kanarien, die absolut on fire waren, nun das ganze Dingen noch kippen können? Sie waren drauf und dran, denn von Besiktas kam da herzlich wenig. Würde Quaresma die erneute Wende für Besiktas bringen können, denn der kam in der 75. Minute? Während Fenerbahce in der ersten Hälfte keinen Schuss aufs Tor von Loris Karius abfeuerte, machte das in der zweiten Hälfte dann BJK bis zur 77. Minute. Was aber auch daran lag, dass die Kanarien wie entfesselt spielten.

In der 80. Minute blieb den Besiktas-Fans der Jubel nicht nur sprichwörtlich im Hals stecken. Flanke von Quaresma von der rechten Seite, butterweich geschlagen, Burak flog mit dem Kopf ran und der Ball hämmerte an den Pfosten. Das Klatschen hat man bis Trabzon hören können. Und zu dieser Zeit konnte man bereits sagen, das Spiel dürfte keinen Sieger haben. Das war absolute Werbung für den türkischen Fußball - von beiden Teams. In der 87. Minute dann auch ein Ball an den Pfosten für Fenerbahce. Karius wuselte sich in einen Schuss und lenkte den Ball an den Außenbalken. Hier war heute alles geboten, was Fußball so besonders macht.

Auch Schiedsrichter Bülent Yildirim schien begeistert und Fan des Spiels zu sein, denn er ließ 7 Minuten nachspielen. Nach 98 intensiven Minuten war das Spiel vorbei und es blieb beim gerechten 3:3. Besiktas bleibt trotz des Remis auf dem dritten Platz und Fenerbahce rückt einen Platz hoch - vor Göztepe auf den 14. Platz.

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