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Senol Günes - Wollte Besiktas-Vorstand seinen Abgang?

7.3.2019 16:54 Uhr, von Anil P. Polat

Eine Stunde und 53 Minuten dauerte die von Besiktas-Trainer Senol Günes für Donnerstagnachmittag anberaumte Pressekonferenz auf dem BJK Nevzat Demir-Trainingsgelände. Es war nicht einfach, bei der Fülle an ausgiebigen Aussagen des 66-Jährigen, die Quintessenzen herauszufiltern - doch es gab sie durchaus.

Es glich einer Mischung aus kleiner, aber langatmiger Abrechnung mit der Presse und den Sozialen Medien sowie gezielter Kritik am eigenen Vorstand. So könnte man die fast zweistündige PK von Besiktas-Chefcoach und designierten Nationaltrainers Senol Günes zusammenfassen.

Der nicht immer freundliche Dialog zwischen BJK-Übungsleiter Günes und den Medien hat sich mittlerweile zu einer kleinen Intimfehde entwickelt, wie sich im verbalen Austausch mit einigen anwesenden Journalisten abermals herauskristallisierte. Günes warf den Pressevertretern und der Social Media-Gemeinde Hetze vor und Unwahrheiten zu verbreiten, um seine Arbeit bei Besiktas zu sabotieren. Allerdings waren diese ausschweifenden Ausführungen nicht neu.

Günes greift Vorstand an

Viel spannender waren dagegen seine Aussagen oder eher teils harsche Kritik gegenüber dem Präsidium von Besiktas: "Scheinbar gab es einige im Vorstand, die mich nicht wollten. Ich hatte nicht vor Besiktas zu verlassen. Es gab das Statement von unserem Vorstand, dass man die Entscheidung getroffen habe, meinen Vertrag um drei Jahre zu verlängern. Aber so ein Angebot habe ich nicht erhalten. Hätte Besiktas mir vor der Nationalmannschaft eine Offerte unterbreitet, hätte meine Entscheidung vielleicht anders ausgesehen", warf Günes den Vereinsfunktionären des 15-maligen türkischen Meisters als Grund für die bevorstehende Trennung am Saisonende vor.

Und das war noch nicht alles. Auch an den enttäuschenden Leistungen in der laufenden Spielzeit trage der BJK-Vorstand große Mitschuld: "Wenn man den Spielern nicht pünktlich ihr Gehalt zahlt, sollte man keinen Erfolg erwarten. Warum ist Ilhan Mansiz nicht mehr hier? War ich es, der wollte, dass Negredo den Verein verlässt? Nein, das war der Vorstand. Er trifft die Entscheidungen." Zudem wies Günes mit dem imaginären Finger auf die Verantwortlichen des Klubs, was die Probleme und Entwicklungen mit Pepe, Ricardo Quaresma oder Vagner Love betrifft.

Kaum Infos zur Nationalelf – Keine Verbitterung wegen Fenerbahce

Bezüglich des Kaders der türkischen Nationalmannschaft für den Start der EM-Qualifikation am 22. und 25. März gegen Albanien und Moldawien gab Günes keine Auskünfte. Die Nominierungen für die Auswahl der Halbmond-Nation würden nicht vor Ende kommender Woche veröffentlicht, erklärte Günes. Er bestätigte im Gespräch mit der Presse, dass es geheime Treffen und Verhandlungen mit dem TFF gab, von denen die Öffentlichkeit und insbesondere die BJK-Anhängerschaft nichts wusste. Dies sei aber unter Kenntnis und gar Wunsch von Besiktas-Präsident Fikret Orman geschehen. Die Behauptungen, dass Senol Günes ein persönliches Problem mit Fenerbahce habe, wies der Trainer zurück und erklärte, sich als Nationaltrainer mit allen Teams und Verantwortlichen austauschen zu wollen.

Seine Tätigkeit bei Besiktas werde Günes - wie zuvor angekündigt – allen Spekulationen zum Trotz fortsetzen und fügte interessanterweise hinzu: "Unsere Aufgabe ist klar. Mein Wunsch ist es, die Saison mit Besiktas so gut wie möglich zu Ende zu führen. Dafür werden wir all unsere Kraft aufwenden. Ich persönlich wäre glücklich darüber, wenn Besiktas jetzt schon seinen Trainer für die kommende Saison präsentieren würde."

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