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Sechs Tote und 200 Verletzte bei Protesten gegen Präsident Joko

22.5.2019 8:27 Uhr

Nach der Wiederwahl des indonesischen Präsidenten Joko Widodo ist es zu heftigen Straßenkämpfen gekommen. Dabei sind mindestens sechs Menschen gestorben und mehr als 200 Menschen verletzt worden. Dies teilte der Gouverneur der Hauptstadt, Anies Baswedan, am Mittwoch mit. Grund für die Proteste seien Vorwürfe des Wahlbetrugs gewesen, die der unterlegene Gegenkandidat Prabowo Suhanto geäußert hatte.

Mehrere Hundert seiner Anhänger zogen daraufhin am Dienstagabend vor das Gebäude der staatlichen Wahlkommission. Aus der Menge flogen nach Augenzeugenberichten Steine auf die Sicherheitskräfte. Mehrere Autos gingen in Flammen auf. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Zudem sollen Beamte mit Gummigeschossen auf die Demonstranten gefeuert haben. Dafür gab es zunächst aber keine Bestätigung. Mindestens 20 Menschen wurden festgenommen.

Wahlmanipulation oder klarer Sieg?

Prabowo wirft dem Präsidenten vor, die Wahl Mitte April manipuliert zu haben. Die Wahlkommission weist dies zurück. Dem amtlichen Endergebnis zufolge gewann Joko klar. Für den 57 Jahre alten Staatschef stimmten demnach 55,5 Prozent. Sein Gegenkandidat kam lediglich auf 44,5 Prozent. Prabowo (67) hatte nach der Bekanntgabe seiner abermaligen Niederlage angekündigt, «mit allen legalen Mitteln» dagegen vorzugehen. Der Ex-General hatte auch schon 2014 verloren und die Wahl dann vor Gericht angefochten - ohne Erfolg.

Indonesien - ein Staat aus mehr als 17 000 Inseln - ist die drittgrößte Demokratie und das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. Von mehr als 260 Millionen Einwohnern sind annähernd 90 Prozent Muslime. Lange Zeit galt Indonesien als Modell für einen toleranten Islam. Zuletzt gewannen konservative Kräfte an Einfluss.

(be/dpa)