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Schwaches Remis zwischen Bursa und Konya

4.2.2019 20:01 Uhr, von Chris Ehrhardt

Bursaspor gegen Konyaspor in der türkischen Süper Lig – noch vor Jahren ein Duell, bei dem der Sieger schon im Vorfeld quasi festgestanden hätte. Nicht so in dieser Saison, denn Konya könnte mit einem deutlichen Sieg in Bursa sogar an Besiktas Istanbul vorbei auf den dritten Tabellenplatz springen. Bursa hingegen brauchte dringend Punkte, um sich weiter von der Abstiegszone zu entfernen. Beste Voraussetzungen also für ein flottes Spiel in Bursa.

Die ersten Minuten beider Teams waren darauf ausgerichtet, sich gegenseitig abzutasten. Dabei hatte Bursaspor in den ersten 12 Spielminuten nicht nur ein optisches Übergewicht. Schon in der 4. Spielminute krachte ein Geschoss von Aytac Kara ans Gehölz. Das hätte auch gut die Führung für die Krokodile sein können. In der Folge hatte das Heimteam mehr Ballbesitz und bessere Zweikampfwerte – nur der unbedingte Zug zum Tor mit wirklich guten Chancen nach dem Aluminiumtreffer fehlte. Hinzu kam, dass Bursa schon nach 10 Minuten tauschen musste - Saivet kam für Torun.

Beinahe die Führung für Konyaspor aus dem Nichts

Bursa ließ danach weiter den Ball gefällig durchs Mittelfeld laufen. Schön anzusehen, aber wenn der Pass in Tiefe fehlt, wenig produktiv. In der 20. Minute hatte Konya die Chance auf einen schnellen Konter, aber der Pass von Skubic ging in den Rücken der mitgelaufenen Teamkollegen. In der 24. Minute gab es dann die erste Ecke im Spiel – für Konyaspor. Und da brannte der Baum. Keeper Sengezer sprang am Ball vorbei, den Badji vorher leicht berührte, aber Vergini konnte klären. Da wäre aus einer Nullchance beinahe die Gästeführung gefallen. In der 29. Minute dann eine Minichance für Bursa. Yardimci mit der Flanke von rechts, Latovlevici kam an den Ball, hämmerte die Kugel aber mittig in die Abwehrreihe von Konya. Da war mehr drin, wenn Kara den Ball quergelegt hätte.

Konya versuchte sich in der Folge mit kontrolliertem Aufbauspiel. Das gab aber Bursa stets die Chance, dass die Hintermannschaft sich formieren und den Ball abfangen konnte. Dieses durchsichtige Spiel wird Aykut Kocaman nicht sonderlich gefallen haben. In der 34. Minute ging es dann aber schnell. Traore mit dem langen Ball durch die Schnittstelle, Jahovic kam an die Kugel und versuchte einen gediegenen Lupfer – doch Sengezer machte sich lang und länger, um das Leder über die Latte zu fausten. Das sollte die Krokodile warnen und Bursa-Coach Samet Aybaba sagen, seinem Team mehr Zug zum Tor einzuimpfen. Bursa tat wieder etwas mehr und in der 39. Minute hätte Yusuf Erdogan genauer zielen müssen. Er erreichte einen Abwehrquerschläger, nahm den Ball in der Box direkt ab und hämmerte ihn mit Gewalt in den heranfliegenden Zhuta. Da war weit mehr drin, wenn er die Kugel angenommen hätte.

Nur zwei Minuten später zeigte Schiedsrichter Halis Özkahya auf den Elfmeterpunkt und das berechtigt. Nach einem Freistoß wurde in der Box gezogen und gehalten – Skubic war wohl der Übeltäter. Nayir trat an – und verballerte das Dingen vom Punkt. Schlecht geschossen und ab an den aus seiner Sicht linken Außenpfosten. Das war die Chance zur Führung. So blieb es zur Pause beim enttäuschenden 0:0, denn es war mehr drin für die Krokodile, die 65 Prozent Ballbesitz hatten.

Beide Teams unverändert nach der Halbzeit

Beide Trainer gaben dem Team, das die erste Hälfte beendete, auch die Chance in der zweiten Halbzeit. Und es sah so aus, als habe Kocaman die bessere Halbzeitansprache gehalten, denn Konya zeigte sich zu Beginn etwas aktiver. Das Team merkte, hier in Bursa war etwas drin. Dann folgten jedoch drei Schussversuche von Bursa, die aber alle geblockt werden konnten. In der 51. Minute versuchte Traore sich in die Box zu dribbeln, aber er wurde gestoppt. Der direkte Konter sah Erdogan weit vorne, doch der Ball konnte von Kirintili im Tor ins Aus gekickt werden.

Erneute Gefahr für das Tor von Konya gab es in der 57. Minute. Latovlevici mit der Flanke aus dem linken Halbfeld und in der Mitte war "Elfmeter-Vergeiger" Nayir zur Stelle – gehalten von Serkan Kirintili. Direkt danach brachte Aybaba Fofana für Sahiner aufs Feld, der recht blass geblieben war. Yusuf Erdogan war es in der 62. Minute, der für Bursaspor zeigen durfte, dass er keinerlei Zielwasser intus hatte. Toll von Nayir an der Box freigespielt semmelte er die Kugel am Gehäuse vorbei – das war nicht ganz so einfach. Kurz vorher musste Latovlevici für Allano Platz machen.

Würde sich Bursaspor über die vertanen Chancen ärgern müssen?

In der 67. Minute wurde es kurios. Fofana ging durch, mit der Kugel in die Box und Sengezer stürmte aus dem Kasten. Fofana flog und wartete auf den Elferpfiff – der kam nicht. Hatte ihn Sengezer berührt? In der Zeitlupe sah es so aus, als habe der Keeper Fofana klar am rechten Fuß getroffen – unstrittig ein Elfer. Doch der VAR blieb still. Drei Minuten später wieder Gefahr. Sengezer musste aus dem Strafraum raus und dabei traf er Jahovic. Karte? Fehlanzeige. Das waren zwei ganz dicke Schiedsrichter-Böcke in drei Minuten. Kann man mal so machen. In der 73. Minute hatte Aybaba ein Einsehen und nahm den glück- und zielwasserlosen Erdogan runter. Für ihn kam dann Kapacak. Tor für Bursa in der 75. Minute! Flanke von der rechten Seite, Kirintili mit einem blitzsauberen Danebengreifer und dann war Saivet mit dem Lupfer da da. Große Freude – bis der Schiedsrichter zeigte, nun sei der VAR dran. Das bedeutet nie Gutes. Und wie so häufig in der Süper Lig wurde ein einwandfreier Treffer zurückgepfiffen. Der Keeper war außerhalb des Fünfers, sprang wie ein Häschen in den Rücken von zwei Spielern – Kapacak und Turan - die im Kopfballduell waren. Was sollen sie tun? Sich in Luft auflösen? Augen am Hinterkopf haben und sehen, da kommt ein Torhüter geflogen? Vielleicht hätte es der Keeper einfach mit dem Fausten statt in der Bedrängnissituation mit einem Fangversuch probieren sollen. Die Aktion war der kapitale Bock Nummer 3 des Unparteiischen in der zweiten Hälfte.

Bursa steckt nicht auf, rannte weiter auf das Tor von Konya an. Allano mit der Flanke in die Box, Kapacak gegen Zuta und auf Stürmerfoul gepfiffen. Konya verlegte sich darauf, nur noch gelegentlich nach vorne zu gehen. Und das dann auch eher halbherzig. Sieben Minuten gab der Unparteiische am Ende Nachschlag. Warum? Vielleicht hatte er am Abend einfach nichts mehr vor - denn gerechtfertigt war die Nachspielzeit nie und nimmer. Trotz der reichlichen Nachspielzeit blieb es aber beim 0:0 und das hieß am heutigen Abend, dass Bursa zwei Punkte verloren hatte. Durch eigenes Unvermögen vom Punkt und tatkräftiger Mithilfe des Schiedsrichters, der ihnen ein reguläres Tor wegpfiff.