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Schuld war nur der Mesut Özil?

30.5.2019 21:38 Uhr, von Ein Kommtar von Chris Ehrhardt

Nachdem die Blues von FC Chelsea den Gunners vom FC Arsenal Bude um Bude im rein Londoner Finale der Europa League einschenkten, konntest du als geneigter Fußball-Beobachter sofort vorhersagen, an wem wird es in den Social Media gelegen haben. Der Mesut Özil wars! Mal wieder. Doch ist es tatsächlich so einfach? Nein, eigentlich nicht. Sondern ganz im Gegenteil.

Stellen wir die Uhren knapp ein Jahr zurück. Die Mannschaft spielte eine pomadige, lust- und herzlose Weltmeisterschaft in Russland. Am Ende des Tages war der Schuldige schnell gefunden. Der kleine Türke aus Gelsenkirchen hats verbockt. Na dann. Eigentlich stellt ein Trainer das Team auf, berät sich mit dem Co-Trainer und den Betreuern. Dass die kollektiv alle Özil heißen, war bisher nicht bekannt. Und dann wäre da auch noch der eine oder andere Mitspieler. Nicht ganz unwichtig bei einem Mannschaftssport, hörte ich einmal wen sagen, der Ahnung vom Fußball hatte.

Zur Halbzeitführung muss man Tore machen und nicht Chancen vergeben

Oder nehmen wir die eher gebrauchte Saison vom FC Arsenal in der englischen Premier League. Da finden 38 Spiele in der Saison statt. Özil war in 24 Partien Teil des Teams. Mit ihm wurde gewonnen, Remis gespielt und verloren. Wie auch ohne ihn. Ist er, wenn er auf dem Platz steht, der Schuldige an Niederlagen und ebenso dann, wenn er nicht auf dem Feld ist? Verliert man dann, weil er nicht dabei ist, wo man ihn doch vorher gescholten hat, dass es mit ihm nicht liefe? Der Widerspruch wird offensichtlich, oder?

Schauen wir jetzt auf das Finale der Europa League. Pierre-Emerick Aubameyang ist ein toller Typ. Ein Spaßvogel mit dem Hang zu sehr feinen Autos. Doch das nutzt wenig, wenn du die Tore nicht machst, die du machen musst. Und das war gestern in der ersten Hälfte der Fall. Sagte Özil ihm, er soll es doch bitte versemmeln? Nein, eher nicht. Sagte Özil Referee Gianluci Rocchi, er solle die Situation zwischen Kepa und Lacazette falsch bewerten? Wohl auch eher nicht. Hat Özil beim Lattenkracher von Xhaka die Latte angehoben? Nein, sicher nicht. Machen Auba, Xhaka, Lacazette und Kolasinac ihre Dinger, gehst du mit 4:0 in die Pause und die Messe ist gelesen. Klappte alles nicht so und dann gab es Langholz von den Blues. So ist Fußball

Dass er nach einem verlorenen Finale nicht in jedes hingehaltene Mikro spricht ist doch auch normal. Nicht jeder geht in so einer schwarzen Stunde offensiv mit einer Klatsche um. Wer es kann – gut. Wer es nicht kann – auch gut. Özil kann und will es nicht. Das muss man dann auch bitte so akzeptieren.

Özil ist kein klassischer Macher auf dem Feld

Was wurde von Özil erwartet? Dass er das Team (an)führt, der Macher ist? Der Renner, der Fighter? Wer als Manager oder Präsident Mesut Özil unter der Prämisse einkauft, dass er den "Leader" und Antreiber gibt, sollte sich zukünftig besser beim Hallenhalma oder beim Synchronschwimmen versuchen. Das hat Mesut Özil nie geliefert, wird er nie liefern und ich wüsste nicht, dass er von sich selbst je sagte, exakt der Spielertyp zu sein, der seine Mitspieler nach vorne treibt, wenn es brennt.

Özil gedeiht in einem Mannschaftsumfeld, in dem starke Typen um ihn herum sind. Stars, die Verantwortung tragen. Wie Cristiano Ronaldo bei Real Madrid. Oder Sergio Ramos. Beißer und Renner und Macher. Dann kommen die Vorlagen und dann kommen die Pässe von Özil. Gestochen scharf und mit chirurgischer Präzision. Denn das ist er von seiner Spielanlage her: Passgeber, Vorlagengeber. Und er braucht ein erstklassiges Spielerumfeld um sich herum. Das ist bei Arsenal nicht gegeben, denn bei den Gunners regiert das Mittelmaß. Özil ist kein Mittelfeldspieler, der allein durch seine Anwesenheit auf dem Feld ein mittelmäßiges Team auf Weltniveau hebt.

Endstation Süper Lig? - Nein, ganz sicher nicht!

Das sollten sich ganz besonders die türkischen Vereine, die mit einer Verpflichtung von Özil liebäugeln mögen, durchlesen. Ist Özil nun reif für Konyaspor oder Trabzonspor und bringt dem Team den Titel? Nein, ganz sicher nicht. Es wird sich eh kein Klub aus der Süper Lig die Ablösesumme oder das Wochensalär von Mesut Özil leisten können. Und selbst wenn. Die Erwartungen an den Straßenkicker aus Gelsenkirchen wären viel zu hoch. Gerade in der Türkei.

Klar, da würde er kurz heroisiert – um danach noch tiefer als bei den Gunners oder der deutschen Nationalelf zu fallen. Denn mit seinem Namen wären Titel verbunden und die bringt Özil allein sicher nicht mit. Außer man kauft ihm das passende Umfeld. Denn Özil ist jemand, der mit seinen brillanten Spielanlagen aus einer richtig guten Truppe eine exzellente Mannschaft macht. Die wirklich gute Truppe musst du aber erst haben. Und wer soll das in Türkiye bezahlen?

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