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Schrödingers Machthaber – Lebenszeichen von Kim Jong Un?

1.5.2020 21:20 Uhr

Nachdem die ganze Welt seit rund 14 Tagen spekuliert, was mit Kim Jong Un ist, soll es nun ein Lebenszeichen geben. Das jedenfalls sagen offizielle Quellen aus Nordkorea, wo es eine neue Verordnung vom "Obersten Führer" geben soll. Ist damit das Rätsel um "Schrödingers Machthaber" gelöst oder nährt es eher noch mehr Zweifel?

Die Regierung in Nordkorea hat ganz offiziell ein "Lebenszeichen" von Kim Jong Un, Machthaber in Nordkorea, veröffentlicht. Es geht um eine Verordnung, die von Kim Jong Un eigenhändig unterzeichnet worden sein soll. So steht es zumindest in der "Daily NK", einer Zeitung aus Südkorea, zu lesen. Erstellt worden sein soll das Dokument am 29. April. In der Verordnung wandte sich Kim Jong Un an die regionalen Führungskader der kommunistischen Arbeiter-Partei. Und die Unterschrift unter der Verordnung soll belegen, so die offizielle Lesart, dass die Geschichte um "Schrödingers Machthaber" gelöst ist – Kim Jong Un lebt und ist bester Gesundheit, denn er kann Verordnungen unterschreiben.

Ist die Verordnung echt oder falsch?

Wie das südkoreanische Blatt berichtet, kommuniziere Kim Jong Un immer "mittwochs und donnerstags" mit seinem Führungskader. Problem: Das südkoreanische Blatt will herausgefunden haben, dass es signifikante Unterschiede bei der aktuellen Verordnung zu vorherigen Schriftstücken geben soll. So seien es diesmal "nur" drei Punkte. Vorher wären es stets sieben oder gar mehr Anweisungen gewesen, welche Kim Jong Un auf dem Wege weiterleitete. Eine nicht namentlich genannte Quelle aus Nordkorea wird damit zitiert, dass es Anfang April sogar zehn Anweisungen an die Führungskader gewesen seien.

Ein weiterer Punkt, der wohl erneut das Schrödinger-Prinzip nährt, läge in der Art der Anweisungen. So wäre das, was diesmal den Getreuen mitgeteilt wurde, eher sehr "schwammig" gehalten gewesen. Bezüge zu den kimschen Anweisungen, die er vorher gab, wären nicht feststellbar gewesen. Diesmal sei es um die Aussaat, Soldaten und einen Krankenhausbau gegangen. Und die "Daily NK" liefert auch "Erklärungen" – eher Spekulationen – warum das so sein könnte. So ist Kim Jong Un der alleinige Machthaber. Und nur er darf im Land Befehle erteilen. Hier läge, so das südkoreanische Blatt, die Möglichkeit, dass man zwar versuche zu vertuschen, dass der Machthaber nicht verfügbar sei, aber umgehen wolle, selbst Befehle zu erteilen. Was nachteilig sein könne, kehrt Kim Jong Un doch auf seine Machtposition zurück.

Wieso "Schrödingers Machthaber"?

Um das Prinzip von Schrödinger zu verstehen, muss natürlich zuerst wissen, um was es geht. Erwin Rudolf Josef Alexander Schrödinger war ein österreichischer Wissenschaftstheoretiker und Physiker, der 1961 verstorben ist, aber davor noch das nach ihm benannte Prinzip entwickelt. Verkürzt geht es darum, dass sich eine Katze in einer Kiste befindet. Sie ist theoretisch bei ungeöffneter Kiste zeitgleich beides – tot und lebendig. Man kennt den wirklichen Zustand der Katze erst, wenn man die Kiste öffnet. Und so ist es auch mit Kim Jong Un. Derzeit ist er tot und lebendig gleichzeitig.

An Fakten weiß man, dass er seit dem 11. April nicht mehr öffentlich gesehen wurde. Selbst zum Ehrentag seines toten Großvaters Kim Il-sung, der 1994 verstarb, war er nicht anwesend. So auch nicht bei einem Raketentest vor rund zehn Tagen. Gelegenheiten, welche der "Oberste Führer" von Nordkorea in der Vergangenheit eigentlich nie verstreichen ließ, ohne sich öffentlich zu inszenieren. Darüber hinaus gab es Berichte, er sei erkrankt, ein Ärzteteam aus China sei eingeflogen worden und der US-Geheimdienst habe ebenso Berichte darüber, dass es Kim Jong Un "nicht gut gehe". Berichte von einer Herz-OP, die gewaltig missglückte, machten die Runde. Wieder andere Quellen sprachen davon, dass Kim Jong Un wegen der Krise durch das Coronavirus und Covid-19 "abgetaucht" sei. Nun bleibt die Frage: Wann wird die Kiste geöffnet und man weiß, ob Schrödingers Machthaber aus Nordkorea lebt oder ob er tot ist?

(ce)

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