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Schritt für Schritt zum Hobbygärtner

24.5.2019 15:10 Uhr

Ganz gleich, ob man durch Bau bzw. Kauf eines Hauses zum Gartenbesitzer geworden ist oder sich dazu entschlossen hat, ein Gartengrundstück zu pachten: Wenn der Wille da ist, in dichtester Zusammenarbeit mit Mutter Natur für das Gedeihen von so manchem Augen- und Gaumenschmaus zu sorgen, hat man bereits die wichtigsten Grundlagen beisammen.

Doch um frustfrei in das Gärtner-Dasein zu starten, ist es wichtig, sich an einen präzisen Zeitstrahl zu halten. Einfach ausgedrückt: Hält man sich an diese Reihenfolge, schaltet man alle menschlichen Fehlerquellen im ersten Gärtnerjahr ab. Dann hängt es wie seit jeher nur an der richtigen Kombination von Regen, Sonne und Wärme.

Schritt 1: Sich selbst befragen

Man kann durchaus mit einer Schippe den Boden etwas auflockern, Samen hineinwerfen und eine Chance darauf haben, dass sich daraus etwas entwickelt. Wenn überhaupt, ist das aber nur ein Beweis dafür, dass Natur auch mit widrigsten Umgebungsbedingungen zurechtkommt. Nicht etwa, dass planloses Gärtnern sinnvoll wäre.

Zunächst sollte man sich einige Fragen stellen:

  1. Was kann/möchte ich an Zeit investieren?
  2. Bin ich willens/fähig, auch die körperlichen Arbeiten zu bewältigen?
  3. Was möchte ich anpflanzen? (siehe Schritt 5)
  4. Wie groß ist die zur Verfügung stehende Fläche und passt sie zu meinen Wunschpflanzen?
  5. Was darf es kosten?

Daraus ergibt sich ein Grundrahmen, den man mit einem exakten Plan befüllt.

Alles im Beet hat seine Zeit, die man leicht recherchieren kann. Solange man sich daran hält, wird es auch gelingen. Bildquelle: fotolia.com © Halfpoint

Schritt 2: Die Grundlagen kennen

Wie bereits erwähnt, brauchen Pflanzen nur Nährstoffe, Sonnenlicht und Wasser. Allerdings braucht nicht nur jede Pflanze von jedem Punkt mehr oder weniger, sondern muss man auch dafür sorgen, dass die Faktoren stimmen.

Das bedeutet, dass man grundlegende Dinge kennen sollte:

  1. Alles basiert auf dem Gartenjahr. Es beginnt am ersten Januar und endet am 31. Dezember. Jeder Monat hat seine eigenen Aufgaben, die nur dann gemacht werden sollten. Aus dem Grund sollte das Hobbygärtnern auch im ersten oder letzten Quartal beginnen.
  2. Jede Pflanze hat ihr eigenes Zeitfenster, in dem sie keimt, austreibt, ins Freiland gesetzt werden kann. Diese Infos stehen immer auf Samentütchen bzw. Infozetteln bei Setzlingen. Auch an sie sollte man sich bedingungslos halten.
  3. Es gibt unheimlich viel Gartenwerkzeug. Doch für den Anfang reicht schon ein Grundstock (siehe Schritt 3).
  4. Wasser ist nicht gleich Wasser. Regenwasser ist wegen seines Kalkgehalts, der Abwesenheit von Chlor und dergleichen immer die beste Form der Bewässerung

Schritt 3: Werkzeug besorgen

Der Winter ist die Zeit, in der man den Garten fit für den Winter machen und das Gartenwerkzeug kaufen sollte. Nicht nur, damit man gleich in die Frühjahrssaison starten kann, sondern, weil es dann am günstigsten ist. Stellt sich die große Frage "Was braucht der Anfänger?"

  • Spaten zum Anlegen des Beets sowie zu seiner Pflege
  • Sauzahn oder Grabgabel zum alljährlichen Auflockern des Bodens
  • Rechen/Harke mit Stahlzinken zum Verteilen/Glätten
  • Kombigerät, eine Kombination aus Hacke und Grubber
  • Zwei Gießkannen
  • Handschaufel
  • Setzeisen
  • Wetterfeste Schnur

Gutes (gepflegtes) Gartenwerkzeug hält ein Leben lang, da kann man es verschmerzen, dass entsprechendes Gartenwerkzeug auch einmal etwas mehr kostet.

Anständiges Gartenwerkzeug ist eine Einmal-Anschaffung, die das ganze Leben lang halten wird. Da relativieren sich auch höhere Anschaffungspreise. Bildquelle: fotolia.com © Georgy Dzyura

Schritt 4: Ein Beet anlegen

Man kann es mit Töpfen tun, die man mit teurer Erde aus dem Gartenmarkt füllt. Doch es gilt ein altes Zitat:

„Gärtnern ist Erdkunde: Nur unten auf dem Boden findet man die echte Natur. Alles andere sind bloß zeitgenössische Erleichterungen.“

Natürlich kann man aus Holzlatten ein Hochbeet bauen. Doch für den Anfänger ist es die beste und zugleich günstigste Möglichkeit, auf dem Boden loszulegen.

Unabhängig davon, wie groß das Beet später werden soll: Bei Unerfahrenen sollten es mindestens 3x3 Meter sein.

Zwischen November und März geht es los:

  1. Beet an einem möglichst sonnenbeschienenen Ort mit Zollstöcken ausmessen
  2. Ecken abstecken
  3. Grassode mit dem Spaten in halb-handtuchgroße Quadrate einteilen, abheben und auf den Kompost bringen
  4. Beet-Erde per Spaten umgraben oder mittels Grabgabel auflockern, eine Frage der Philosophie
  5. Oberste Erdschicht mit Hacke und danach Rechen auflockern. Alle Steine usw. wegräumen
  6. In der Beet-Mitte eine Linie aus Gehwegplatten ziehen. So kommt man von allen Seiten bestens an alles heran

Der Boden, den man nun vor sich hat, ist durch die jahrelange Nicht-Nutzung höchstwahrscheinlich sehr nährstoffreich.

Davon kann man nun eine Probe zu einem Labor schicken. Mit einem Blick ins Internet unter dem Suchbegriff „Gartenboden analysieren“ findet man genügend Anbieter. Denn: Jeder Boden hat ebenso seine eigenen Nährstoffdefizite, wie jede Pflanze sie gezielt braucht.

Wirklich machen muss man es jedoch nicht. Solcherlei Bodenanalyse für gezieltes Düngen gehört schon die den höheren Gärtnerkünsten.

Schritt 5: Mit Anfängerpflanzen starten

Könnte man als Anfänger Okra aussetzen? Vielleicht leckeren Chicoree? Gewiss. Aber man würde sich den Spaß kräftig verleiden, denn beides sind Beispiele für ziemlich schwierige Pflanzen.

Jedoch gilt:

„Nichts motiviert besser als schnelle Anfangserfolge – wenn man dadurch nicht überheblich wird.“

Demensprechend sollte man mit einfachen Pflanzen starten, sprich solche, die geringe Ansprüche stellen und schon froh sind, wenn sie genug Sonne und Wasser bekommen.

  • Knoblauch
  • Mangold
  • Möhren
  • Radieschen
  • Salate jeglicher Art
  • Tomaten
  • Zwiebeln

Das sind Pflanzen, die auf jeden Fall zur erfolgreichen Ernte führen, auch wenn man noch nicht den Pflegeprofis angehört.

Ein Geheimrezept: Leicht feuchter Boden, eine zum Samen passende Aussaattiefe und der richtige Zeitpunkt. Die letzten beiden Punkte stehen wie erwähnt auf dem Samentütchen, gelingt beinahe immer und natürlich die Schnur, damit alles akkurat in Reihe sitzt.

Eines ist jedoch noch wichtig: Gemüsepflanzen sind manchmal wie kleine Kinder. Nicht jede kann mit jeder gut umgehen. Bevor man aussäht, sollte man sich über gute Pflanzennachbarschaft informieren und nur die Sorten zusammensetzen, die sich „vertragen“. Das bedeutet, dass sie sich nicht gegenseitig überwuchern oder die Nährstoffe wegnehmen.

Zwiebeln sind enorm einsteigerfreundliche Pflanzen. Tipp: Die grünen Triebe, die aus der Erde rausschauen, kann man im Salat verarbeiten. Bildquelle: fotolia.com © alicja neumiler

Schritt 6: Pflegefehler vermeiden

Die Samen bzw. Setzlinge sind in der Erde. Jetzt hat es Mutter Natur in der Hand. Bedeutet jedoch nicht, dass man sich zurücklehnen kann. Hobbygärtnern ist eine ganzjährige Aufgabe, dazu sollte man aber Fehler vermeiden. So geht es richtig:

  1. Samen und Setzlinge brauchen in den ersten zwei Wochen jeden Tag Wasser. Solange die Temperaturen jedoch unter 25°C liegen, reicht es danach, wenn man alle drei Tage gießt
  2. Morgens gießen, mehr Wasser erreicht die Wurzeln. Nachts ist der Boden, wenn Schnecken aktiv werden, wieder trocken.
  3. Wasser auf den Boden gießen, nie auf die Blätter (u.a. Fäulnisgefahr)
  4. Unkraut erst entfernen, wenn man es zuverlässig von Keimlingen unterscheiden kann
  5. Danach einmal wöchentlich mit dem Grubber die Erde um die Pflanzen
  6. Viel hilft nicht viel, weder bei der Enge der Setzabstände noch Dünger oder Wasser.

Wenn man diese Reihenfolge einhält, wird man in jedem Fall Erfolge sehen und das mitunter schon im ersten Jahr.

Für immer sollte man sich einen Satz zu Gemüte führen:

Egal wie kompliziert es manche Menschen klingen lassen, Gärtnern ist eigentlich eine einfache Angelegenheit, wenn man lernt, daraus keine Wissenschaft zu machen - ganz besonders, wenn man es als Hobby betreibt.

(Hürriyet.de)