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Schicksal oder Zufall? - Wenn der Zufall Schicksal spielt

8.1.2019 9:44 Uhr

Eine Bombe reißt viele Menschen in den Tod, einer, der den Bus verpasst hat, überlebt. Eine Fähre sinkt, eine Frau schwimmt in die richtige Richtung und rettet einige Leben. Reiner Zufall?

Manchmal sind es nur Augenblicke, die über Leben und Tod entscheiden. Und oft ist im Nachhinein rätselhaft, warum sich jemand gerade so und nicht anders verhalten hat.

Der Mann, der den Bus verpasste und überlebte

Thomas hat so eine Erfahrung gemacht. Er ist nur knapp einem Bombenanschlag entgangen. "Wenn ich damals nicht den Bus verpasst hätte, wäre ich jetzt nicht mehr hier", sagt der 40-jährige Spezialist für Filmeffekte. Er war an dem Tag im Juli 2005 etwas spät dran. Das hat ihm das Leben gerettet - bei dem Terroranschlag in London starben 56 Menschen.

Anabel Münstermann interessiert sich für Fälle wie diesen. Sie hat das Drehbuch für "Wenn der Zufall Schicksal spielt" geschrieben und auch Regie geführt. Das ZDF zeigt die neue Folge aus der Doku-Reihe "37 Grad" am Dienstag, 8. Januar, um 22.15 Uhr. Es ist kein Film, der auf schwierige Fragen einfache Antworten gibt, sondern an drei Beispielen zeigt, warum sie sich stellen.

Heldin im fremden Land: "Es war Schicksal.."

Christine aus Berlin hat eine ähnliche Erfahrung gemacht wie Thomas: Mit zwei Freundinnen ist sie durch Thailand gereist. Die Nachtfähre, für die sie sich entschieden hatten, kenterte. Die drei mussten stundenlang durch die Dunkelheit schwimmen. Die inzwischen 53-jährige Erzieherin gab die Richtung vor - und rettete nicht nur sich und ihre Freundinnen, sondern auch die allermeisten der fast 100 übrigen Fährpassagiere, weil sie an Land die Polizei verständigte.

"Es war Schicksal, dass wir auf genau dieses Boot gegangen sind", sagt sie. Das Fährunglück ist mehr als drei Jahrzehnte her, es beschäftigt sie noch immer: "Ich habe eine zweite Chance bekommen - aber wie nutzt man die?", fragt sie sich.

Die Liebe siegt

Auch Manfred hat viel über sich nachgedacht: Als Elfjähriger war er in seine Mitschülerin Claudia verliebt. Jahrzehnte lang hat er sie nicht mehr gesehen. Dann beschließt er spontan, sie zu besuchen - und spürt die Liebe sofort wieder. Wenige Wochen, nachdem sie ein Paar geworden sind, erfährt er von seiner Krebserkrankung. Heute ist sich der 62-jährige promovierte Chemiker sicher, ohne die Liebe zu Claudia hätte er nicht überlebt.

Manfred glaubt nicht an Gott oder an Vorbestimmung. Aber er sagt: "Als ich dem Tod so nahe stand, aber innerlich so erfüllt war von meiner großen, neuen Liebe, da war ich mir sicher, das kann jetzt doch alles kein Zufall mehr sein." Aber was dann: Vorbestimmung, eine göttliche Entscheidung? "Nicht der Begriff entscheidet", argumentiert Anabel Münstermann, "sondern, was man aus diesen besonderen Weichenstellungen des Lebens macht."

(be/dpa)

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