dha

Schatzsucher zerstören historische Stätte in Istanbul

20.4.2020 9:56 Uhr, von Andreas Neubrand

In der Corona-Krise haben Schatzjäger die Gunst der Stunde genutzt, um eine historische Stätte im Istanbuler Stadtteil Sile zu zerstören. Bei dem Objekt soll es sich um eine Zisterne aus byzantinischen Zeiten handeln.

Die Diebe bauten die Steine und Ziegel des historischen Gebäudes in der Bozgoca-Bucht ab und gruben einen fünf Meter langen Tunnel, wobei die Struktur des Gebäudes zerstört wurde. Am Tatort fand die Polizei Seile und Eimer, die beim Bau des Tunnels benutzt wurden.

Architekt entdeckt illegale Ausgrabung

Bemerkt wurden die illegalen Ausgrabungen von dem Architekten Bahadir Basaran, der die historische Stätte vor zwei Jahren bei einem Spaziergang entdeckt und den Behörden gemeldet hatte.

"Dies ist ein bedeutendes kulturelles Erbe. Die Ziegel- und Steinverarbeitung war einzigartig in der byzantinischen Zeit. Auch die osmanischen Meister haben von ihnen gelernt. So wurden die Moscheen in Fatih und Aksaray nach byzantinischem Vorbild gebaut", so Basaran. Er schätzt, dass die illegale Schatzsuche eine Woche her ist.

Laut dem Geologen Nabi Evren gab es in der Region vor Jahren eine Kirche, die aber im Lauf der Zeit zerstört wurde: "Dies war in Byzanz ein wichtiger Hafen. Es gab eine Burg und eine Kirche. Jetzt stehen von der Kirche nur noch einige Zisternen."

"Das Coronavirus hält die Schatzsucher nicht auf. Leider haben sie diesen Ort in der ersten Aprilwoche ruiniert. Dabei müssen wir doch die historischen Gebäude schützen. Die Gemeinde hat da eine große Aufgabe", so Evren.

Ebenfalls bedroht ist der daneben liegende Friedhof. Und das, obwohl die alten Grabsteine Besucher anziehen.

Der Täter kehrt immer zurück?

Wenige Tage später konnte ein Verdächtiger durch die Gendarmerie festgenommen werden, als er an den Tatort zurückkehrte. Selbstauslösende Kameras hielten die Festnahme fest. Gegen den mutmaßlichen Täter wird nun ermittelt.

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.