afp

Scharia in Indonesien: Sechs Paare wegen unehelichem Sex öffentlich mit Stockschlägen bestraft

4.3.2019 20:13 Uhr

In der islamisch geprägten Provinz Aceh von Indonesien hat es wieder einmal Stockschläge gegeben. Sechs Paaren wurde vorgeworfen, sie hätten Sex gehabt, ohne verheiratet zu sein. Zwei Frauen sollen nach Berichten so schwer verletzt worden sein, dass sie von Scharia-Beamten weggetragen werden mussten, da sie nicht mehr laufen konnten. Der indonesische Präsident Joko Widodo fordert seit geraumer Zeit, diese Übergriffe zu unterlassen und stößt auf taube Ohren.

In Indonesien sind sechs Paare wegen unehelichen Geschlechtsverkehrs öffentlich mit Stockschlägen bestraft worden. Acht Menschen erhielten jeweils zwischen 17 und 25 Schläge von vermummten Scharia-Beamten, nachdem sie beim Sex außerhalb ihrer Ehen erwischt worden waren, wie die Behörden der islamisch geprägten Provinz Aceh am Montag erklärten. Vier weitere Menschen erhielten jeweils sieben Schläge als Strafe für Sex mit Partnern, mit denen sie nicht verheiratet waren.

Danach waren mindestens zwei Frauen so schwer verletzt, dass sie von Scharia-Beamten weggetragen werden mussten. Dutzende Schaulustige wohnten der öffentlichen Bestrafung bei. Manche zuckten nach den Schlägen zusammen, andere filmten die Szenen mit ihren Smartphones und Tablets.

Der indonesische Präsident Joko Widodo fordert ein Ende dieser unzivilisierten Torturen

Die zwölf Menschen waren im vergangenen Jahr bei einer Razzia in einem Hotel der Provinzhauptstadt Banda Aceh festgenommen worden. Sie mussten zudem mehrere Monate in Haft. Der Leiter der örtlichen Sittenbehörde, Marwan, rechtfertigte das drakonische Vorgehen mit dem vermeintlich "abschreckenden Effekt" für die Verurteilten wie für das Publikum. "Der Schmerz der Schläge ist nicht so schlimm, übler ist die Peinlichkeit."

In der Provinz Aceh im Norden von Sumatra gilt die Scharia. Sie war im Zuge einer weitgehenden Autonomie für die Region im Jahr 2001 eingeführt worden. Stockschläge sind eine gängige Strafe für Glücksspiel, Alkoholkonsum und Sex zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern. Menschenrechtsaktivisten und der indonesische Präsident Joko Widodo fordern ein Ende der umstrittenen Praxis.

(ce/afp)