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Schalkes gefährliches Spiel mit Kapitän Fährmann

21.1.2019 11:24 Uhr, von Björn Lücker

Mit stoischem Blick betrat Torwart Ralf Fährmann die Schalker Arena, munterte seinen Stellvertreter Alexander Nübel noch kurz auf und nahm dann auf der Ersatzbank Platz. Äußerlich wirkte der Kapitän der Königsblauen gelassen, doch er dürfte als ehrgeiziger Spieler innerlich vor Wut gekocht haben.

Es war ein Paukenschlag, als Schalke-Trainer Domenico Tedesco vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg (2:1) verkündete, dass Fährmann diesmal nicht das Tor hüten wird. Ausgerechnet Fährmann, der in der Schalker Krise bislang noch zu den besseren Spielern zählte und mit starken Paraden den ein oder anderen Punkt festgehalten hatte. Auch für seine Mannschaftskollegen kam der Wechsel zwischen den Pfosten völlig überraschend. "Man rechnet nicht jeden Tag mit einem Torwart-Wechsel, das ist nicht allzu normal", sagte Angreifer Mark Uth.

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Parallelen zum Fall Höwedes

Tedesco bemühte sich, die Personalentscheidung nicht über zu bewerten. "Die Entscheidung ist uns extrem schwergefallen. Er ist zu Recht unser Kapitän und bleibt es auch, ein super Mensch und super Torwart. Aber in den letzten Spielen waren ein paar Unsicherheiten dabei“, begründete er seine Maßnahme. "Wir hatten das Gefühl, dass Ralle nicht frei im Kopf ist."

Fährmann sei mit Entscheidung des Trainers "sehr professionell" umgegangen, heißt es weiter. Trotzdem bleibt es eine gefährliches Spiel, dass Tedesco mit seinem Stammkeeper treibt. Der 30-Jährige wird sich nun Gedanken machen, wie es mit ihm auf Schalke weitergeht. Zumal Ersatzkeeper Nübel, acht Jahre jünger als Fährmann und U21-Nationalkeeper, die Zukunft gehört. Gegen Wolfsburg wusste der Youngster mit einigen Glanztaten zu überzeugen und trug damit zu dem gelungenen Rückrundenstart der Knappen bei.

Tedesco setzt auf Nübel

Auch wenn Fährmann (vorerst) Kapitän bleiben soll. Seine Degradierung auf die Ersatzbank weist Parallelen zu dem Fall Benedikt Höwedes auf. Der frühere Schalker Publikumsliebling verlor im August 2017 die Binde an Fährmann und wurde dadurch indirekt von Trainer Tedesco vergrault. Was folgte, war ein Abschied auf Raten. Seit gut einem halben Jahr kickt Höwedes für Lokomotive Moskau.

Droht Fährmann nun das gleiche Schicksal? Mit der Ersatzbank kann er sich schon einmal anfreunden. Tedesco hat bereits klargemacht, dass er sich Nübel als Dauerlösung im Schalker Kasten vorstellen kann. "Er hat jetzt unser Vertrauen", so der Coach.