Symbolbild: imago images/Arabian Eye

Saudi-Arabien begrenzt Hadsch

26.6.2020 0:06 Uhr, von Andreas Neubrand

Saudi-Arabien will in diesem Jahr eine "sehr begrenzte" Hadsch abhalten. Nur Pilger, die sich schon im Königreich befinden, dürfen das jährliche Ritual ausüben. Damit soll die Verbreitung des neuen Coronavirus eingedämmt werden.

Dies ist das erste Mal in der modernen Geschichte Saudi-Arabiens, dass Muslime außerhalb des Königreiches von der Hadsch ausgeschlossen werden. Letztes Jahr nahmen 2,5 Millionen Pilger an den Feierlichkeiten teil.

Heikele Entscheidung

Die Entscheidung ist sowohl wirtschaftlich als auch politisch heikel, da die Hadsch eine der fünf wichtigen Säulen des Islams bildet. Für welche Nationen die Hadsch möglich sein wird, hat das Hadsch-Ministerium in Riad noch nicht bekannt gegeben.

"Die Entscheidung wurde getroffen, um die Gesundheit der Pilger nicht zu gefährden und gleichzeitig die Regeln des Islams zu befolgen."

Hadsch ist eine Pflicht für Muslime

Die Hadsch ist ein Muss für leistungsfähige Muslime und muss mindestens einmal im Leben absolviert werden. Doch Millionen von Gläubigen, dicht an dicht gedrängt, könnte ein neuer Hotspot für das Coronavirus werden. Saudi-Arabien hat mit über 161.000 Fällen die meisten Infizierten am Golf.

Trotz des Anstiegs hat Saudi-Arabien am Sonntag eine nächtliche Ausgangssperre beendet und die Beschränkungen für Unternehmen, inklusive Kinos und anderen Unterhaltungsstätten, aufgehoben.

Enttäuschung in der islamischen Welt

Die Ankündigung, eine begrenzte Hadsch abzuhalten, würde Millionen von Muslimen auf der ganzen Welt enttäuschen. Viele sparen ihr Leben lang, um sich diese Reise leisten zu können. Die Maßnahme würde in erster Linie einheimische Pilger beruhigen, die befürchteten, dass das Ritual zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte vollständig abgesagt würde.

Doch noch immer gibt es viele ungeklärte Fragen: Wie viele Pilger werden genau zugelassen? Wie sind die Auswahlkriterien? Wie viele Pilger aus Saudi-Arabien? Wie viele aus anderen islamischen Ländern?

Riad fürchtet Diskussion über Hadsch

Riad befürchtet, dass die Entscheidung wieder alte Wunden aufreißen könnte und erneut die Frage nach der Legitimität Saudi-Arabiens, die Hadsch ausrichten zu dürfen, aufwirft. Die Diskussion ist nicht neu. So sorgte 2015 ein Ansturm von Gläubigen zu einer Katastrophe, bei der über 2300 Menschen ums Leben kamen für Kritik an der Verwaltung der Hadsch durch das Königshaus.

Zudem bedeutet eine verwässerte Hadsch große Einnahmeverluste für das Königreich. Für Riad kommt das zur Unzeit, da das Land schon mit dem virusbedingten Einbruch des Ölpreises zu kämpfen hat. Die kleine ganzjährige Pilgerreise wurde bereits im März abgesagt.

Finanzielle Einbußen für Riad

Zusammen tragen die beiden Feierlichkeiten mit 10,63 Milliarden Euro zur Wirtschaftsleistung Saudi-Arabiens bei. "Dies ist ein schwieriges Jahr für Saudi-Arabien. In jedem Sektor wird das Land mit rückläufigen Einnahmen konfrontiert: Erst Öl und Tourismus und un die Umrah und die Hadsch", so der Wissenschaftler Karer Young vom American Enterprise Institute.

Als erstes Land hat Indonesien seinen Bürgern die Teilnahme an der Hadsch untersagt. Ein Minister der bevölkerungsreichsten muslimischen Nation nannte dies eine "sehr bittere und schwierige Entscheidung."

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