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Süper Lig-Startschuss für Ausländerregelung steht bevor

14.3.2019 15:59 Uhr, von Anil P. Polat

Der türkische Fußballverband schickt sich an, die Ausländerregelung für die Spor Toto Süper Lig zum zehnten Mal seit der Saison 2007/2008 zu verändern. Dabei handelt es sich weniger um eine reine Änderung, als vielmehr um eine verschärfte Ausländerbeschränkung.

Damit gehört die aktuelle Ausländerregelung bald der Vergangenheit an. Derzeit dürfen die Süper Lig-Vereine 14 ausländische Spieler im Kader haben. Davon können zwölf Akteure im Spielkader geführt werden und elf in der Startformation auflaufen. Dies soll sich nun bald auf Geheiß des nationalen Verbandes ändern. Hinter den Kulissen des TFF laufen übereinstimmenden türkischen Berichten zufolge die Planungen für eine Begrenzung der Ausländerzahl in den Vereinen auf zehn Spieler.

Das neue Modell sieht eine 6-2-2-Regelung vor. Dies bedeutet, dass nur noch sechs ausländische Profis in der Startelf stehen dürfen. Zwei weitere können auf der Bank Platz nehmen und als Reservisten für einen anderen ausländischen Spieler auf dem Feld eingewechselt werden. Die übrigen zwei nicht-türkischen Fußballer müssen von der Tribüne aus zusehen.

Änderung schon zur neuen Saison?

Mithin heißt das für die türkischen Süper Lig-Klubs, dass sie sich – sofern sie 14 ausländische Profis im Kader haben – von vier Spielern trennen müssten. Keine unbedingt einfache Forderung. Die Vereine wären, wenn die Verträge der Spieler nicht auslaufen, wohl auf finanziell belastende Mittel wie Vertragsauflösungen gegen Zahlung einer bestimmten Abstandssumme an die Spieler angewiesen. Da am 31. Mai die Verträge von 90 Spielern in der Süper Lig auslaufen, sei die Einführung der neuen Ausländerregelung bereits für den Beginn der Saison 2019/20 denkbar.

Am 21. März versammelt sich die Vereinigung der Süper Lig-Vereine in Istanbul, um über die Ausländer-Thematik in der türkischen Liga zu beraten. Auch Vertreter des TFF sollen an diesem Meeting teilnehmen. Es wird erwartet, dass es von Seiten der Klubs zumindest Gegenvorschläge für eine Alternativlösung geben wird. Fenerbahce-Präsident Ali Koc hatte erst kürzlich im Gespräch mit der Presse beiläufig eine Beschränkung der Ausländerzahl in der Süper Lig bestätigt und gesagt, dass man aus diesem Grund bei den Transferaktivitäten verstärkt in türkische Spieler investiert habe (als Beispiele: Tolgay Arslan, Serdar Aziz oder Sadik Ciftpinar).

Die Änderungen seit der Spielzeit 2007/08 im Überblick

2007/08 – 6+1
2007/08 – 6+2 (in der Winterpause)
2007/08 – 6+2+2 (am Saisonende)
2009/10 – 6+2
2010/11 – 6+2+2
2011/12 – 6+2
2013/14 – 6+0+4
2014/15 – 5+3
2015/16 – Pflicht 14 türkische Spieler im Kader zu haben

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Aller guten Dingen sind drei

Beurteilung: Es gestaltet sich äußerst schwer, Sinn und Struktur sowie eine durchdachte Langzeitplanung hinter den Gedankengängen zu erkennen, die zu dieser erneuten Änderung der Ausländerregelung geführt haben. Auf eine Regelung zurückzugreifen, die sich mehrmals nicht bewährt hat, entbehrt für den objektiven Betrachter jeglicher Logik. Zwei ausländische Spieler auf die Tribüne zu verbannen und sie gleichzeitig zu entlohnen, ohne dafür eine sportliche Gegenleistung erhalten zu können, erscheint als ein finanzieller Luxus, der die türkischen Vereine in dieser wirtschaftlich extrem schweren Phase zusätzlich belasten würde. Dies würde eher einer unverantwortlichen Maßnahme des TFF gleichen, als einem Projekt, das dem türkischen Fußball zugute kommet.

Die vermeintlichen Rechtfertigungen, dass dies der Entwicklung der (jungen) türkischen Spieler und dem türkischen Fußball überhaupt helfen wird, weisen keine Glaubwürdigkeit auf. Denn unter deutlich lockereren Regelungen/Bedingungen entwickelten sich so viele Perspektivspieler (Cengiz Ünder, Caglar Söyüncü Cenk Tosun, Zeki Celik, Merih Demiral, Ozan Kabak) wie nie zuvor und wechselten nach Europa in die Topligen. Aus sportlicher Hinsicht ist die Maßnahme daher unhaltbar. Aber auch auf finanzieller Ebene wäre diese Änderung nicht tragbar.

Klubs drohen erneut horrende Ablösesummen

Zum einen wäre da der bereits angesprochene Umstand, dass die Klub für zwei ausländische Spieler, die sie in der Liga nicht einsetzen können, quasi umsonst Gehälter zahlen würden. Zum anderen haben die türkischen Vereine und Fußball-Fans schlechte Erinnerungen an die letzte 6-2-2-Regelung, als man plötzlich aus Not und Zwang überteuerte Ablösesummen für türkische Spieler zahlen musste, die sportlich ihre Leistungen schuldig blieben. Hier sei auf Ozan Tufan (sieben Millionen Euro), Ismail Köybasi (5,5 Millionen Euro) oder Tarik Camdal (4,75 Millionen Euro) verwiesen.

Auch darf mit Spannung auf die Reaktion des TV-Rechtinhabers "beIN SPORTS" gewartet werden. Das Unternehmen aus Katar hatte sich 2017 die Rechte für die Süper Lig-Übertragungen für 500 Millionen Dollar gesichert und damit rund 20 Prozent mehr investiert, als noch beim Vorgänger-Deal (360 Millionen Dollar) gezahlt wurde. Diese Investition geschah unter dem Gesichtspunkt der aktuellen Regelung und mit der Hoffnung, bekannte ausländische Namen in der Süper Lig zu sehen, damit die Liga mehr Attraktivität gewinnt und Interesse generiert.

Der TFF scheint dagegen an der Strategie festzuhalten zu wollen, die Misserfolge der vorherigen Beschränkungen einfach zu ignorieren. Frei nach dem Motto: „Die gleiche Regelung hat zwar schon mehrfach versagt und für massive Kritik und Ablehnung gesorgt, aber vielleicht klappt ein offenkundig nicht funktionierendes System ja dieses Mal.“

UPDATE: Erol Bedir, Kayerispor-Klubchef und Mitglied der Vereinigung der Süper Lig-Klubs, dementierte, dass es bereits eine finale Entscheidung gebe: "Uns hat noch kein Antrag mit einer 6-2-2-Regelung erreicht", so Bedir. Allerdings wies er auch nicht explizit zurück, dass diese Regelung Diskussionthema am 21. März während der Versammlung der 18 Süper Lig-Vereine sein wird.

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