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Söder: Jüngster Vorsitzende der CSU

18.1.2019 14:19 Uhr

Einem jüngeren Politiker überließ die CSU noch nie die Doppelfunktion aus Parteivorsitzendem und Ministerpräsident für Bayern. Es ist also ein historischer Moment für Markus Söder.

Auf den Tag genau zwei Wochen nach seinem 52. Geburtstag wird Söder am Samstag neuer CSU-Vorsitzender - damit steht er auf einer Stufe mit Franz Josef Strauß, Edmund Stoiber und Horst Seehofer.

Söder ist ein Mann der kontrollierten Emotionen, Tränen der Rührung zeigt er nicht. Eher schon platzt für einen kurzen Moment der Überschwang in einem - zuweilen etwas flapsigen - Lachen aus ihm heraus.

Söders distanzierte Coolness

Es wird spannend, ob er sich von seiner als sicher geltenden Wahl auf dem CSU-Parteitag am Samstag ergreifen lässt - oder ob Söder in typischer distanzierter Coolness knapp ein Jahr nach dem Amt des Ministerpräsidenten auch das Amt des Parteichefs von Horst Seehofer übernimmt.

Für Söder erfüllt sich jedenfalls eine geplant wirkende Karriere. Schon als Jugendlicher hing ein Strauß-Poster in seinem Schlafzimmer - in Zeiten, in denen in seiner traditionell linken Heimatstadt Nürnberg Strauß für viele eine Hassfigur war. Strauß hatte damals Edmund Stoiber als politischen Ziehsohn an seiner Seite - dieser wiederum förderte später Söder und holte ihn auch als CSU-Generalsekretär an seine Seite.

Im Hintergrund soll Stoiber nach der Landtagswahl mit die Fäden gezogen haben, damit Söder nach dem Ministerpräsidentenamt auch den CSU-Vorsitz bekommt. Dass Söder am 14. Oktober bei der Landtagswahl massiv verlor und damit für eine der größten Wahlniederlagen in der Geschichte der CSU steht, spielte dabei bei den Christsozialen keine Rolle.

Söder allerdings zögerte lange mit der Entscheidung, ob er diese Doppelrolle tatsächlich will. Zweimal hatte ihm Seehofer den CSU-Vorsitz direkt angeboten - einmal mit Seehofer als Ministerpräsident, einmal ohne Vorbedingung. Doch beide Male lehnte Söder ab. Erst nachdem Seehofer zum Hauptverantwortlichen der Wahlpleite gemacht wurde und klar war, dass die CSU einen neuen Parteichef ersehnt, griff Söder zu.

Modernisierung der CSU

Als Pfund bringt er nun ein, mit den Freien Wählern im Rekordtempo einen Koalitionsvertrag ausgehandelt zu haben. Bei einem ersten Fazit seiner neuen Landesregierung sprach Söder diese Woche vor der CSU-Landtagsfraktion in Kloster Banz von einer "guten und souveränen Arbeit" seiner Koalition.

Auf dem Weg der Modernisierung will der selbst schon seit 1994 im Landtag sitzende und danach in verschiedenen Partei- und Ministerposten tätige 52-Jährige nach seiner Wahl am Samstag mit Nachdruck weitermachen. Auf Söder lastet dabei riesiger Druck: Wenn er die CSU nicht bald wieder über die 40-Prozent-Marke führt, droht ihr ein fortschreitender Bedeutungsverlust.

Einen Anteil an den schlechten Zustimmungswerten mit zuletzt vom Bayerischen Rundfunk gemessenen 35 Prozent hat auch der bisherige Zickzackkurs Söders. So nennt sich der Vater von vier Kindern "begeisterter Christ". Als er allerdings kurz nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten per Erlass das Aufhängen von Kreuzen in allen bayerischen Amtsstuben anordnete, kritisierten ihn auch viele aus den Kirchen wegen Instrumentalisierens des Kreuzes.

Inzwischen beruhigte Söder den Konflikt mit den Kirchen. Auch den Streit mit der Schwesterpartei CDU erklärte der selbst zu den führenden CSU-Streithähnen zählende Söder für beendet: "Streit lähmt und Streit langweilt und Streit nervt."

Die erst im Dezember neu gewählte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer wird nun Samstag nach München reisen, um bei der Wahl Söders vor Ort dabei zu sein. Söder will mit Kramp-Karrenbauer ein Tandem bilden - nach den harten Auseinandersetzungen von Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel wäre das ein Neuanfang.

Das Bild zeigt Markus Söder, Horst Seehofer und Edmund Stoiber (von rechts nach links) bei den Feierlichkeiten zum 30. Todestag von Franz Joseph Strauß. Anm. d. Red.