epa/Yuri Kochetkov

Russland: Familie von "Spion" Whelan besorgt

7.1.2019 15:01 Uhr

Wird Paul Whelan zum Spielball zwischen zwei Großmächten? Das befürchtet zumindest sein Bruder. Der 48-Jährige sitzt seit anderthalb Wochen in Moskau wegen des Vorwurfes der Spionage im Gefängnis.

"Ich bin sehr besorgt, insbesondere weil es mit Blick auf das russische Rechtssystem keine Transparenz gibt", sagte David Whelan der Nachrichtenagentur AFP am Montag. Er habe keine Erkenntnisse über Einzelheiten der Festnahme.

"Deshalb fällt es schwer, es nicht in Verbindung mit einem wie auch immer begründeten Tauziehen zwischen beiden Ländern zu bringen", sagte David Whelan. Die Familie fürchte, dass sein Bruder "ohne ausreichende Beweise beschuldigt, dass er verurteilt wird".

Zugleich äußerte David Whelan sein "Vertrauen" in die US-Regierung. "Wir vertrauen darauf, dass sie daran arbeiten." Am Donnerstag hatte der Anwalt des Inhaftierten bekannt gegeben, dass die russische Justiz seinen Mandanten wegen Spionage angeklagt habe.

Paul Whelan war nach Angaben des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB am Freitag vorvergangener Woche bei einem "Spionageakt" in Moskau festgenommen worden. Ihm drohen 20 Jahre Haft.

Whelans Familie weist die russischen Vorwürfe zurück. Ihren Angaben zufolge war der 48-Jährige in Moskau, um an einer Hochzeitsfeier teilzunehmen. Der in Kanada geborene Paul Whelan besitzt neben einem US-Pass weitere Staatsangehörigkeiten, darunter auch die britische.

Großbritannien warnte die russische Regierung am Freitag vor einem "diplomatischen Schachspiel". London sei nicht damit einverstanden, "dass Einzelpersonen in diplomatischen Schachspielen benutzt werden", sagte Außenminister Jeremy Hunt in der BBC.

In den angespannten Beziehungen zwischen Russland und dem Westen sorgten zuletzt mehrere Spionagefälle für zusätzlichen Konfliktstoff. Ein tiefes Zerwürfnis verursachte der Giftanschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien, für den die britischen Behörden Moskau verantwortlich machen. Der Kreml weist dies zurück. Die US-Geheimdienste werfen Moskau eine Einmischung in die Präsidentschaftswahl 2016 vor.

(an/afp)

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