Russischer Geheimdienst hat Zusammenarbeit gesucht

19.9.2019 8:08 Uhr

Nach eigenen Angaben hat der Whistleblower Edward Snowden einen Anwerbeversuch des russischen Geheimdiensts bei seiner Ankunft 2013 in Moskau ausgeschlagen. Snowdens russischer Anwalt Anatoli Kutscherena bestätigte der Nachrichtenagentur Interfax am Mittwoch, dass der Geheimdienst FSB Snowden auf dem Airport Scheremetjewo zu einem Gespräch getroffen habe.

Der Amerikaner habe ihm später erzählt, dass ein FSB-Mitarbeiter ihm die Zusammenarbeit mit dem russischen Geheimdienst angeboten habe. Snowden habe abgelehnt.

In seiner diese Woche erschienenen Autobiografie "Permanent Record" beschrieb Snowden ein Gespräch, "das sich mit "Komm zu uns und arbeite für uns" zusammenfassen lässt". Eine der Fragen sei gewesen: "Gibt es vielleicht irgendeine Information, irgendeine Kleinigkeit, die Sie uns mitteilen könnten?" - zusammen mit dem Hinweis, dass für jemanden in seiner Situation das Leben ohne Freunde sehr schwer sein werde. Snowden entgegnete demnach: "Wir kommen schon zurecht."

Spekulationen reißen nicht ab

Nachdem der russische Präsident Wladimir Putin, der selbst einst FSB-Chef war, Snowden Asyl gewähren ließ, gab es immer wieder Spekulationen um eine mögliche Zusammenarbeit Snowdens mit dem Geheimdienst in Moskau. Der frühere Mitarbeiter der US-Geheimdienste CIA und NSA wehrt sich seit langem gegen den Eindruck, er kooperiere mit den Russen. Er meidet in Moskau öffentliche Äußerungen, sprach zur Erscheinung des Buchs aber mit zahlreichen westlichen Medien.

Der Ex-Geheimdienstler hatte 2013 Dokumente zu Ausspäh-Aktivitäten des US-Abhördienstes NSA und seines britischen Gegenparts GCHQ an Journalisten gegeben. Auf der Flucht über Hongkong wollte er nach eigenen Angaben nach Ecuador, strandete aber am Moskauer Flughafen, nachdem die US-Regierung seinen Reisepass annulliert hatte. Snowden bekam Asyl in Russland, nach einer Verlängerung aktuell bis 2020.

Dem US-Magazin "Wired" sagte Snowden, er habe seit dem Gespräch am Flughafen keine weiteren Interaktionen mit russischen Geheimdiensten gehabt. Er habe auch keine NSA-Unterlagen nach Moskau mitgebracht. "Alles, was ich habe, ist in meinem Kopf - und ich war nicht bereit, es ihnen zu geben."

(an/dpa)

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