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Russische Menschenrechtlerin Ljudmila Alexejewa tot

8.12.2018 21:45 Uhr

Sie scheute weder die Konfrontation noch Kritik am Kreml. Ljudmila Alexejewa galt als die Grande Dame der Menschenrechtsbewegung. Nun ist die 91-jährige in Moskau verstorben, teilte der Menschenrechtsrat des russischen Präsidenten am Samstagabend mit.

"Das ist ein schrecklicher Verlust für die gesamte russische Menschenrechtsbewegung", sagte der Vorsitzende des Rates, Michail Fedotow, der Mitteilung zufolge.

Alexejewa war eine der bekanntesten Bürgerrechtlerinnen Russlands. Sie galt als Grande Dame der Menschenrechtsbewegung in ihrer Heimat. Sie war international und auch in Russland hoch angesehen. Zu ihrem 90. Geburtstag hatte ihr Kremlchef Wladimir Putin persönlich gratuliert und sie in ihrer Moskauer Wohnung besucht.

Gemeinsam mit dem Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow gründete sie 1976 die Moskauer Helsinki-Gruppe, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzte. Dafür musste sie ins Exil.

Seit 2004 war sie mit Unterbrechung Mitglied im Menschenrechtsrat. Die Aktivistin kritisierte offen die zunehmenden Repressionen gegen die russische Opposition. Immer wieder schaltete sie sich wortstark in Diskussionen ein und scheute auch nicht davor zurück, die Politik des Kremls zu kritisieren. Vor einigen Jahren war sie auch bei einer Demonstration festgenommen worden.

"Sie blieb eine Menschenrechtsaktivisten bis zuletzt"

Bis kurz vor ihrem Tod hatte sie sich für den Aktivisten Lew Ponomarjow eingesetzt, der wegen Aufrufs zu nicht genehmigten Protesten zu einer Arreststrafe verurteilt wurde. Sie habe mit ihrer Assistentin noch kurz vor ihrem Tod darüber gesprochen, wie man anderen Menschen helfen könne, hieß es. "Sie blieb eine Menschenrechtsaktivisten bis zuletzt", schrieb Fedotow. Sie habe dieser Arbeit ihr Leben gewidmet.

"Ein wunderbarer Mensch, ein echtes Vorbild"

"Eine Ära geht zu Ende", sagte Waleri Borschjow von der Moskauer Helsinki-Gruppe der Agentur Interfax. Alexejewa sei ihren Werten und Traditionen stets treu geblieben. "Sie hat die Menschenrechtsbewegung der Sowjetzeit fortgesetzt." Die Gruppe werde ihre Arbeit weiterführen.

Alexejewas Tod sei ein trauriges Ereignis für ganz Russland, betonte die russische Menschenrechtsbeauftragte Tatjana Moskalkowa. "Sie war und bleibt eine Symbolfigur für Ehrlichkeit und den kompromisslosen Kampf für die Menschen und die Gerechtigkeit", sagte die Politikerin. Ex-Finanzminister Alexej Kudrin schrieb auf Twitter: "Ljudmila Alexejewa war ein wunderbarer Mensch, ein echtes Vorbild."

(be/dpa)