Symbolbild: imago/Jürgen Ritter

Rumänien: Heftige Debatte nach verweigertem Bau von Holocaust-Museum

13.3.2019 1:17 Uhr

Der Stadtrat im rumänischen Bukarest hat gegen den Bau eines Holocaust-Museums gestimmt und damit eine heftige Kontroverse ausgelöst.

Das Kommunalparlament stimmte am Montagabend mehrheitlich gegen die Pläne der Regierung, in der Hauptstadt ein Gedenkzentrum für die Vernichtung der Juden während des Zweiten Weltkriegs zu errichten. Nach der Entscheidung sah sich der Stadtrat am Dienstag mit dem Vorwurf des Antisemitismus konfrontiert.

Museum sollte über den Holocaust aufklären

Die rumänische Regierung hatte das Projekt im Jahr 2016 lanciert. Mit dem Museum sollte über den Holocaust aufgeklärt und dessen Leugnung bekämpft werden.Das negative Votum des Stadtrats sorgte unter anderem bei Radu Ionid, einem der Leiter des Holocaust-Museums in der US-Hauptstadt Washington, für Empörung. Laut Ionid hielten mehrere Abgeordnete das Zentrum der rumänischen Hauptstadt nicht für einen geeigneten Ort, um an den Holocaust zu erinnern. Die Entscheidung habe einen "antisemitischen Beigeschmack", kritisierte er. Die Idee, wonach "Juden an den Stadtrand weichen müssen", sei nicht neu.

Die sozialdemokratische Bürgermeisterin von Bukarest, Gabriela Firea, bedauerte den Ausgang der Abstimmung. Sie werde das Projekt bei einer der nächsten Sitzungen des Stadtrats erneut auf die Tagesordnung setzten, sagte sie.

Ungünstiger Zeitpunkt der Ablehnung

Die Ablehnung der Museumspläne kommt für die rumänische Regierung, die derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne hat, zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Ursprünglich wollte die Regierung das Vorhaben am Mittwoch der internationalen Gemeinschaft während eines Treffens in Bukarest im Rahmen der Ratspräsidentschaft präsentieren.

Mehrere hunderttausende rumänische und ukrainische Juden wurden getötet

Rumänien hatte lange eine Beteiligung am Holocaust kategorisch abgestritten. Erst im Jahr 2003 betraute Bukarest eine internationale Expertenkommission mit der Aufarbeitung seiner Rolle für die Judenverfolgung. Die Kommission unter Leitung von Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel kam zu dem Ergebnis, dass von 1940 bis 1944 unter der Regierung des mit Nazi-Deutschland verbündeten Marschalls Ion Antonescu zwischen 280.000 und 380.000 rumänische und ukrainische Juden getötet wurden. Zudem verloren demnach etwa 11.000 Roma ihr Leben.

(gi/afp)