dpa

Ruhrgebiet: NRW mit Großrazzia gegen Clankriminalität

16.8.2020 12:27 Uhr

Konzentrierte Aktion im Ruhrgebiet und in Nordrhein-Westfalen: Die Behörden haben am Samstagabend mit rund 1000 Beamten in mehreren Städten eine Großrazzia gegen Clankriminalität durchgeführt. Im Fokus der Ermittlungsteams standen Essen, Mülheim, Duisburg, Bochum, Herne, Witten, Gelsenkirchen, Dortmund, Wuppertal und der Kreis Mettmann. Ziel der Großrazzia waren Teestuben, Spielhallen, Shisha-Bars und Wettbüros. Dabei wurden zahlreiche Strafanzeigen geschrieben, illegal betriebene Glücksspielautomaten konfisziert sowie unversteuerter Tabak und Bargeld beschlagnahmt. Auch Herbert Reul, Innenminister von NRW, war in Essen zugegen.

"Es geht darum, denen, die im Alltag diese Städte unsicher machen, zu zeigen: Das ist beendet, ihr kriegt hier jeden Tag Unruhe", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) beim Besuch eines Einsatzortes in Essen. Es gelte die klare Ansage: "Hier gilt nicht das Recht der Familie, sondern das Recht des Staates." Es handle sich nicht um Kleinkram, sondern um "großkriminelle Taten". An den Durchsuchungen waren auch der Zoll, die Steuerfahndung, städtische Behörden und in einigen Städten auch die Bundespolizei beteiligt.

Kulturvereine und Teestuben mit im Fokus der Ermittler

In Essen wurden vor allem Wettbüros und Spielhallen mit Clanbezug unter die Lupe genommen. In einem Hinterzimmer eines Internet-Cafés wurde ein Raum entdeckt, in dem Spielautomaten und Tische aufgestellt waren. Der Zugang zu dem Raum war hinter einem Spind versteckt. Die Polizei vermutet, dass die Geräte nicht angemeldet waren. In einem Bistro fanden die Beamten drei mutmaßlich illegale Spielgeräte und einen Pokertisch. Die Geräte wurden abtransportiert. "Der Staat guckt hin und macht deutlich, dass er wehrhaft ist", sagte Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) bei einem Besuch vor Ort.

Auch Kulturvereine und Teestuben wurden in Essen durchsucht. Es werde überprüft, ob illegales Glücksspiel betrieben werde, sagte eine Polizeisprecherin. Auch werde kontrolliert, ob die Geräte manipuliert oder illegal aufgestellt worden seien. An der Razzia in Essen war neben anderen Behörden auch die Bezirksregierung Düsseldorf mit dem Sonderdezernat "Glücksspiel und Geldwäscheprävention" beteiligt.

Illegale Spielhalle in Teestube ausgehoben

In Duisburg entdeckte die Polizei eine mutmaßlich illegale Spielhalle. Sie habe sich in einer vermeintlichen Teestube befunden, sagte ein Polizeisprecher. Entdeckt worden seien 17 Geldspielautomaten, für die keine Gewerbeanmeldung vorliege. Die Polizei durchsuchte am Abend zeitgleich mehrere Objekte im Stadtgebiet von Duisburg. Insgesamt seien mehrere hundert Polizisten daran beteiligt gewesen. In Dortmund wurden nach dem Fund von unversteuertem Tabak zwei Shisha-Bars geschlossen.

Die NRW-Landesregierung fährt seit über zwei Jahren einen harten Kurs gegen Clankriminalität. Das Landeskriminalamt hatte im Mai 2019 das erste Lagebild zur Clankriminalität in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Demnach sah die Polizei in NRW 104 Clans mit kriminellen Mitgliedern am Werk. Allein in den Jahren 2016 bis 2018 sollen rund 6500 Verdächtige aus der Szene für mehr als 14.000 Straftaten verantwortlich gewesen sein.

(ce/dpa)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.