Hurriyet

Rückholaktion: Türkei will geschmuggelten Sion-Schatz zurück

23.9.2020 22:02 Uhr

Nachdem es dem türkischen Ministerium für Kultur und Tourismus nach 23 Jahren gelungen ist, die fast 1800 Jahre alte lydische Tempel-Stele zurückzugewinnen, ist das neue Ziel des Ministeriums das Zurückholen der verbleibenden Teile des unschätzbaren Schatzes von Sion. Die Artefakte von Sion seien hierbei aus der Mittelmeerprovinz Antalya im Bezirk Kumluca vor etwa 53 Jahren gestohlen worden.

Der Sion-Schatz sei 1963 zufällig in Kumluca durch eine Dorfbewohnerin auf einer Ziegenweide entdeckt worden. Es wird vermutet, dass der Schatz aus Konstantinopel stammt, dem heutigen Istanbul, und vor langer Zeit dem Sion-Kloster geschenkt wurde.

Geplündert und geschmuggelt

Die meisten Artefakte, die aus den Ruinen der byzantinischen Kirche ausgegraben wurden, stammten vermutlich aus dem 6. Jahrhundert nach Christus und wurden geplündert sowie ins Ausland geschmuggelt. Nur ein kleiner Teil des „Schatzes“ wurde von Gendarmerietruppen gefunden und an das Antalya-Museum übergeben.

Später verkaufte der internationale Schmuggler Yorgo Zakos 18 Werke für 1 Million US-Dollar an Robert Woods Bliss, einen ehemaligen Diplomaten, der das Dumbarton Oaks Museum der Harvard University gründete und die Schätze 1967 seinem Komplex schenkte.

Streit um den Schatz

Die Türkei hatte 1967 beim Museum beantragt, die Artefakte zurück zu erhalten, als bekannt wurde, dass sich die Schatzkammer in den Vereinigten Staaten befand. Das Museum lehnte die Anträge jedoch damals mit der Begründung ab, dass die Werke nach dem „Prinzip des guten Willens“ gekauft worden seien.

1973 machte das Museum ein Angebot, die Werke von Antalya nach Boston zu bringen, um ihre Reparatur abzuschließen und die Werke für einen Zeitraum von 100 Jahren im Museum auszustellen. Das Angebot wurde von den türkischen Behörden abgelehnt.

Später traf sich ein Komitee aus der Türkei mit Kollegen in den USA, und die jüngste Entscheidung hat dazu geführt, dass einige Teile der Schätze in die Türkei zurückgekehrt sind.

Heute sind 37 Stücke der Schätze im Archäologie Museum in Antalya untergebracht, die restlichen Objekte befinden sich jedoch noch in Boston. Wenn das Museum die Rückgabe der verbleibenden Werke nicht akzeptiert, scheint ein Gerichtsverfahren, das voraussichtlich viele Jahre andauern wird, nach einem Bericht der Tageszeitung Hürriyet unvermeidlich.

(gi)

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