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Reuters: Die Türkei soll erhebliche Erdgasquellen im Schwarzen Meer gefunden haben

21.8.2020 11:38 Uhr

Die Türkei hat laut zwei türkischer Quellen erhebliche Gasressourcen im Schwarzen Meer gefunden, meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Diese Entdeckung könnte dem Land helfen, seine Abhängigkeit von Energieimporten zu verringern, wenn das Gas kommerziell gefördert werden kann. Eine Erschließung der Menge, die für rund 20 Jahre ausreichen soll, könnte allerdings bis zu zehn Jahren dauern und drei Milliarden US-Dollar kosten.

Präsident Tayyip Erdogan sagte am Mittwoch gegenüber Energiemanagern, er werde am Freitag "gute Nachrichten" verkünden, die eine "neue Ära" für die Türkei einläuten - Kommentare, die die Aktien türkischer Energieunternehmen in die Höhe trieben und die Lira vom Rekordtief dieser Woche befreiten. Er gab keine Details an, aber die Quellen sagten, er beziehe sich auf eine Gasentdeckung im Schwarzen Meer und eine weitere Quelle sagte laut Reuters, das Ausmaß der Reserven könne möglicherweise den Energiebedarf der Türkei für 20 Jahre decken.

Erdgasressourcen zur Deckung des 20-Jahresbedarfes der Türkei?

Das türkische Bohrschiff Fatih ist seit Ende Juli in einer als Tuna-1 bekannten Explorationszone etwa 100 Seemeilen nördlich der türkischen Küste im westlichen Schwarzen Meer im Einsatz. "In der Tuna-1-Region gibt es einen Erdgasbefund", sagte die Quelle. "Die erwartete Reserve beträgt 26 Billionen Kubikfuß oder 800 Milliarden Kubikmeter und deckt ungefähr 20 Jahre des türkischen Bedarfs." Die Quelle merkte jedoch auch an, dass der Produktionsstart sieben bis zehn Jahre dauern könne und schätzte die Investitionskosten auf zwei bis drei Milliarden US-Dollar.

Beamte, darunter Energieminister Fatih Donmez, haben keine Einzelheiten zu der Ankündigung vom Freitag mitgeteilt. Erdogan werde die "Überraschung" selbst offenbaren. Die türkische Präsidentschaft und das Energieministerium standen laut Reuters nicht sofort zur Verfügung, um sich zum Ausmaß des Fundes zu äußern. Die Türkei, die fast vollständig auf Importe angewiesen ist, um ihren Energiebedarf zu decken, hat im Schwarzen Meer und im Mittelmeer nach Energieressourcen gesucht – wobei die Explorationen in umstrittenen Gewässern Proteste aus Griechenland und Zypern hervorgerufen haben.

Wenn die Größe der Schwarzmeerreserven bestätigt wird, stellen sie einen wichtigen Fund dar, da häufig Felder mit ein bis zwei Billionen Kubikfuß erschlossen werden. Analysten sagen jedoch, dass die Türkei zusätzliche Infrastrukturkosten haben könnte, wenn sie in den Markt will. "Selbst wenn ein legitimer Fund entwickelt wird, würde es mindestens vier bis sechs Jahre dauern, bis die Produktionsphase erreicht ist", sagte John Bowlus, Chefredakteur von Energy Reporters.

Hoffnung aus Gasfund lässt Lira klettern

"Die Gasnachfrage und die Gaspreise sind historisch niedrig und nur wenige investieren in neue Produktion", was das Angebot in drei bis vier Jahren verengen könnte, sagte er. "Wenn dieses Gas schnell entwickelt wird, könnte es zu einem optimalen Zeitpunkt auf den Markt kommen." Eine Reduzierung der Energieimportrechnung der Türkei, die im vergangenen Jahr von Lieferanten wie Russland und Iran bei 41 Milliarden US-Dollar lag, würde nicht nur die Staatsfinanzen ankurbeln, sondern auch dazu beitragen, ein chronisches Leistungsbilanzdefizit abzubauen, das Druck auf die Lira ausübt.

Obwohl eine solche Aussicht noch weit entfernt und ungewiss ist, verstärkte sich die Lira am Mittwoch nach Erdogans Aussagen, da die Händler positive Auswirkungen erwarteten. Ein Banker sagte, die Marktreaktion habe gezeigt, dass Türken, die in den letzten Monaten Lira für Fremdwährungen verkauft haben, nach einem Grund suchten, wieder auf die Lira umzusteigen, aber auch sicher sein wollen, dass sie nicht weiter abwerten wird.

(ce)

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