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Retter kämpfen nach Erdbeben in Türkei gegen Zeit und Kälte

26.1.2020 13:27 Uhr

Zwei Tage nach dem schweren Erdbeben in der Osttürkei mit Dutzenden Toten suchen Rettungskräfte in Eiseskälte weiter nach Überlebenden.

Am Sonntag bargen die Helfer vier weitere Leichen aus den Trümmern - die Zahl der Todesopfer stieg damit nach offiziellen Angaben auf 35. Mehr als 1600 Menschen wurden nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde Afad verletzt, 45 Menschen konnten lebend geborgen werden.

Das Beben der Stärke 6,8 hatte am Freitagabend gegen 21 Uhr (Ortszeit) die Provinz Elazig erschüttert, auch in der Nachbarprovinz Malatya starben Menschen. Das Epizentrum lag im Bezirk Sivrice.

Sechs weitere Menschen unter Trümmern vermutet

Innenminister Süleyman Soylu sagte am Sonntag, sie vermuteten noch sechs Menschen unter den Trümmern. Auf Bildern waren Rettungskräfte zu sehen, die schweigend auf den Überresten eines Hauses arbeiteten und Schutt beiseite räumten. Die Helfer forderten die Wartenden nach Angaben des Senders CNN Türk immer wieder zur Stille auf, um die Stimmen von möglichen Überlebenden hören zu können. Spürhunde wurden eingesetzt.

Eine Frau sagte dem Sender CNN Türk unter Tränen, ihre Großmutter sei im zweiten Stock ihres Hauses verschüttet. Am Samstag waren laut Medienberichten mindestens zwei Kinder und eine Schwangere gerettet worden.

Dem Beben am Freitag folgten nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde mehr als 600 Nachbeben. Tausende verbrachten aus Angst vor weiteren Erschütterungen die Nächte bei Temperaturen bis zu zwölf Grad Minus in Zelten und Sporthallen.

Präsident Erdogan in Elazig

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Elazig am Samstag besucht und versprach am Sonntag vor einer Reise nach Algerien, beschädigte und zerstörte Häuser schnell wieder aufzubauen. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde wurden in den Provinzen Elazig und Malatya insgesamt 645 Gebäude schwer beschädigt, 76 seien eingestürzt.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan besucht Erdbebenopfer in Elazig (Bild: dha)

Die Türkei ist besonders erdbebengefährdet. Eines der folgenreichsten Beben war eines der Stärke 7,6 im Jahr 1999 mit Epizentrum in Gölcük südöstlich von Istanbul. Damals starben in der Region rund 18 000 Menschen. Forscher erwarten ein weiteres starkes Beben im Raum Istanbul, wann ist jedoch unklar.

Erst zum 20. Jahrestag des Gölcük-Bebens im August hatte die Bauingenieurskammer von Istanbul gewarnt, dass geschätzt eine Million Gebäude in Istanbul nicht erdbebensicher seien.

(be/dpa)

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