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Rebellen im Jemen erklären sich zu Waffenruhe bereit

19.11.2018 10:45 Uhr

Sowohl die Huthi-Rebellen als auch die jemenitische Regierung sind zu Friedensgesprächen bereit. Als erstes verkündeten die Rebellen über Twitter, dass sie zu Gesprächen bereit sind, wenn es auch die Regierung ist. Diese stimmte wenig später den Friedensverhandlungen zu.

Es werde eine Delegation zu den Gesprächen nach Stockholm entsandt, teilte das Außenministerium mit. Dort soll eine politische Lösung für ein Ende des blutigen Konflikts gefunden werden. Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Martin Griffiths, vermittelt zwischen den Parteien.

Zuvor hatte der Rebellenchef Mohammed Ali Al-Huthi seine Kämpfer aufgerufen, "den Beschuss durch Raketen und Drohnen" auch gegen Saudi-Arabien einzustellen, um die Bemühungen des UN-Gesandten Griffiths zu unterstützen. Des Weiteren bot er am Montag an, "alle Militäroperationen an allen Fronten einzustellen, um Frieden zu schaffen".

Griffiths wird in dieser Woche zu einem Besuch in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa erwartet, um die Friedensgespräche endgültig zu vereinbaren. Er hatte sogar angeboten, gemeinsam mit der Huthi-Delegation nach Schweden zu reisen, "falls das erforderlich ist".

Gescheiterte Gespräche im September

Im September waren Friedensgespräche zwischen Huthi-Rebellen und jemenitischer Regierung gescheitert, bevor sie überhaupt begonnen hatten. Anders als die Regierungsdelegation waren die Huthi-Rebellen gar nicht erst zu den Gesprächen in Genf angereist. Sie warfen dem Regierungslager vor, ihre Bedingungen für eine Teilnahme nicht vollauf erfüllt zu haben. Dazu zählte auch eine Garantie, nach den Friedensgesprächen in Genf nach Sanaa zurückkehren zu können.

Die Vereinten Nationen bezeichnen den Krieg im Jemen als schwerste humanitäre Krise der Gegenwart. Dort kämpfen Truppen aufseiten des ins Exil geflohenen, aber international anerkannten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi gegen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen, die weite Teile des Nordens inklusive der Hauptstadt Sanaa kontrollieren. Seit 2015 bombardiert ein von Saudi-Arabien geführtes Bündnis Stellungen der Huthis aus der Luft, wobei bereits Tausende Zivilisten getötet wurden. Die Aufständischen hatten vor allem das benachbarte Saudi-Arabien immer wieder mit Raketen angegriffen.

UN-Vermittler kündigt Friedensgespräche an

Die Ankündigung der Huthis kommt nur wenige Tage, nachdem UN-Vermittler Martin Griffiths vor dem UN-Sicherheitsrat in New York neue Friedensgespräche zwischen den Konfliktparteien angekündigt hatte. Diese sollten "in Kürze" stattfinden, sagte Griffiths, ohne ein Datum zu nennen. Außerdem hätten sich Regierung und Rebellen auf den Austausch von Gefangenen geeinigt. Erst im September waren politische Gespräche zwischen den Kontrahenten mangels Teilnahme der Rebellen gescheitert.

Die Voraussetzungen für ein neues Treffen scheinen nun deutlich besser. So hatten die regierungstreuen Truppen zuletzt ihre Angriffe auf die strategisch zentrale Hafenstadt Hudaida eingestellt. Dort hatten zuvor schwere Kämpfe gewütet. Über den Küstenort am Roten Meer läuft ein Großteil des Nachschubs für die Gebiete unter Huthi-Kontrolle im Norden des bitterarmen Landes. Eine Eroberung durch die arabische Koalition würde für die Huthis eine möglicherweise entscheidende Niederlage bedeuten.

Rebellen verlieren an Rückhalt

Zuletzt bröckelte auch der Rückhalt der Rebellen unter ihren Anhängern. Vor gut einer Woche lief ihr ehemaliger Informationsminister Abdel-Salam Dschabir zum Feind über und gab eine Pressekonferenz in Riad. Dort ließ er kein gutes Haar an den Aufständischen: "Die Milizen schicken im Namen der Religion Kinder in den Krieg", sagte Dschabir. "Ihre letzten Tage" seien angebrochen.

Doch auch die saudisch geführte Militärkoalition geriet zuletzt stärker in Bedrängnis. Unter dem Eindruck der Affäre um den in Istanbul getöteten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi verlangten die USA als wichtiger Verbündeter Riads neue Friedensgespräche in dem festgefahrenen Konflikt. "Es ist Zeit für ein Ende der Kampfhandlungen", forderte US-Außenminister Mike Pompeo in einer Stellungnahme Anfang des Monats. Neue Gespräche solle es noch im November geben. Voraussetzung dafür sei, dass die Raketen- und Drohnenangriffe der Huthis aufhörten.

(an/dpa)