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Rassistische Anfeindungen gegen Chinesen wegen Coronavirus

7.2.2020 12:18 Uhr

Sowohl in Deutschland als auch in der Türkei ist es seit Ausbruch des Coronavirus vermehrt zu rassistischen Beleidigungen oder gar Übergriffen gegen Chinesen gekommen. Ein Taiwanese in Istanbul hat eine skurille Art gewählt, sich vor möglichen Angriffen zu wehren: auf seinem LED-Rucksack ließ der junge Mann unter anderem die Worte "I'm not chinese" und "Ich komme aus Taiwan" aufblinken.

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In Deutschland kam es zu diversen pauschale Verdächtigungen wegen des Coronavirus und sogar einen körperlichen Angriff: Die chinesische Botschaft in Berlin sorgt sich um die Sicherheit ihrer Staatsbürger in Deutschland. «Die jüngsten Anfeindungsfälle und die fremdenfeindlichen Äußerungen in einzelnen Medien haben nach dem Coronavirus-Ausbruch zugenommen und sind besorgniserregend», teilte die Botschaft auf Anfrage mit. Man habe beim Auswärtigen Amt notwendige Maßnahmen gefordert, um «die Sicherheit, legitimen Rechte und die Würde der chinesischen Staatsbürger zu gewährleisten».

Auch die Arbeitsgemeinschaft Deutscher China-Gesellschaften (ADCG) beobachtet «drastisch steigende Verunglimpfung und Ausgrenzung von chinesischen Menschen bis hin zum offenen Rassismus», wie ADCG-Vizepräsident Felix Kurz laut einer Mitteilung sagte.

Unsinnige Pauschalverurteilung

Menschen mit asiatischen Wurzeln würden pauschal als chinesisch und damit als potenzielle Ansteckungsgefahr wahrgenommen, schreibt der ADCG unter Berufung auf Erzählungen Betroffener. Eine Frau im Supermarkt soll etwa Menschen aufgefordert haben, zuhause zu bleiben und aufzuhören, «das Virus zu verbreiten». Der Patient einer Ärztin habe darüber gescherzt, ihr nicht die Hand schütteln zu wollen. Mitschüler eines Kindes sollen davon gesprochen haben, es auf das Virus testen zu wollen.

Bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes sind bislang keine verbalen oder körperlichen Übergriffe gemeldet worden, wie diese auf Anfrage mitteilte.

Angriff auf Chinesin in Berlin

Nach einem Angriff auf eine Chinesin in Berlin habe man sofort die Polizei kontaktiert, teilte die chinesische Botschaft mit. Wie die Berliner Polizei am Samstag mitteilte, sollen zwei Frauen am Freitagnachmittag im Stadtteil Moabit eine Chinesin rassistisch beleidigt, bespuckt, an den Haaren zu Boden gerissen sowie geschlagen und getreten haben. Die 23-Jährige wurde demnach am Kopf verletzt und ambulant in einem Krankenhaus behandelt. Die Angreiferinnen flüchteten. Die Polizei verwies auf Nachfrage zu den Beleidigungen auf laufende Ermittlungen.

Nach dem Fall habe man die chinesischen Staatsbürger in Deutschland auf sozialen Medien und über die eigene Webseite auf die aktuelle Situation hingewiesen, erklärte die Botschaft. Man habe Ratschläge für den Fall einer Provokation oder sogar Straftat gegeben und Aufmerksamkeit in Bezug auf den Schutz der eigenen Sicherheit angemahnt.

«Schlimmer als das Virus sind blinde Diskriminierung und Hass gegenüber den Menschen und diese fördern nur eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen den Deutschen und Chinesen», sagte der Vorsitzende der Düsseldorfer Gesellschaft für deutsch-chinesische Freundschaft, Dieter Böning, laut der AGDC-Mitteilung.

(be/dpa/dha)

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