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Randale in Frankreich - Die Hintergründe

3.12.2018 15:34 Uhr

Für Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris sind die aktuellen Ausschreitungen die Schlimmsten seit Mai 1986 und der Polizeipräfekt Michel Delpuech sieht darin eine "extreme und beispiellose Gewalt".

Nach den Krawallen in der französischen Hauptstadt vom Wochenende machen die Behörden "Gelbwesten", "professionelle" Randalierer von Links und Rechts sowie kleinkriminelle Trittbrettfahrern verantwortlich:

"Gelbwesten"

Nach Angaben des Pariser Polizeipräfekten Delpuech waren unter den Randalierern "sehr viele Demonstranten mit gelben Westen". Bei den 378 Menschen, die in Polizeigewahrsam genommen wurden, handelt es sich demnach mehrheitlich um Männer im Alter von 30 bis 40 Jahren. Sie stammten oft aus der Provinz, seien sozial integriert und seien nach Paris gekommen, "um sich mit den Sicherheitskräften zu prügeln", sagte der Pariser Staatsanwalt Rémy Heitz.

Reporter der Nachrichtenagentur AFP sprachen am Rande der Demonstrationen mit zahlreichen "Gelbwesten", die Gewalt als schädlich für ihr Anliegen betrachten, die Regierung zu einer Umkehr in der Steuerpolitik und bei Mindestlöhnen und Renten zu bewegen. Einzelne Demonstranten nannten die Ausschreitungen aber auch "legitim".

Ultralinke und Ultrarechte Gruppen

Der französische Innenminister Christophe Castaner macht "professionelle Randalierer" für die Gewalt verantwortlich. Radikale vom rechten wie linken Spektrum mischten sich unter die Demonstranten: Bei den Kundgebungen wurden viele antikapitalistische Slogans skandiert. Auf viele Gebäude wurde das Akronym ACAB gesprüht (All Cops are Bastards, alle Polizisten sind Mistkerle), das häufig von Linksradikalen verwendet wird.

Auch die ultrarechten Splittergruppen Action française und Bastion social erklärten, sie hätten sich an den Demonstrationen beteiligt. Bei beiden handelt es sich um neofaschistische Formationen.

AFP-Reporter beobachteten zahlreiche Gewaltbereite, die äußerst versiert darin waren, Barrikaden in Brand zu stecken oder Autos und Motorräder anzuzünden. Zudem gaben sie Demonstranten Anweisungen, wie sie sich etwa beim Einsatz von Tränengas durch die Polizei verhalten sollten.

Kleinkriminelle Trittbrettfahrer

Gegen Ende der Proteste am Samstagabend mischten sich dann auch Kleinkriminelle unter die Gewalttäter: AFP-Reporter beobachteten, wie Gruppen einen Supermarkt plünderten und einen Motorroller anzündeten.

Nach Angaben von Staatsanwalt Heitz beteiligten sich auch jüngere Menschen aus dem Pariser Großraum an der Gewalt: Sie seien gezielt nach Paris gekommen, um "die Gelegenheit zu Plünderungen zu nutzen".

Warum demonstriert wird

Die Proteste begannen am 17. November 2018 gegen die Erhöhung des Benzin- und der Dieselpreise, die sich über Facebook organisiert haben. Die Regierung Macron plante die Steuern um 7,6 Prozent zu steigern. Dies führt vor allem in den ländlichen Gegenden Frankreichs zu Protesten. Der "Economist" zitiert eine junge Frau, die "am Ende des Monats ihren Tank nicht mehr füllen könne." Die Metropolen des Landes sind gut mit öffentlichem Nahverkehr versorgt, nicht so die ländlichen Gebiete. Dort ist das Auto von enormer Bedeutung.

In der Zwischenzeit richtet sich der Zorn der Protestler gegen das ganze Reformpaket Macrons. Im Internet kursieren mehrere Versionen von Forderungen gegen die Regierung.

(an/afp)