imago images / Hartenfelser

Ramadan: Hessens Justizministerin droht Muslimen Strafe an

6.5.2020 20:29 Uhr

Die Muslime in Deutschland bekommen trotz der schwierigen Umstände durch die Corona-Krise von vielen Menschen einen gesegneten Ramadan-Monat gewünscht. Nicht so jedoch von Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), die mit einer drastischen Drohung für allgemeine Empörung sorgt.

In einem kurzen Video auf Instagram hatte die Politikerin betont, dass muslimische Eltern "strafrechtlich zur Verantwortung" gezogen werden könnten, wenn sie ihre Kinder zum Fasten animierten. Denn das könne deren Gesundheit gefährden.

Linke: "Prügelstrafe an Weihnachten"

Die Reaktionen aus der Politik ließen nicht lange auf sich warten. Vor allem die Linke im hessischen Landtag ist entsetzt und konnte sich einen ironischen Kommentar in einer hitzig geführten Debatte im hessischen Landtag nicht verkneifen.

"Wir freuen uns auch zukünftig auf die Erziehungstipps von Kühne-Hörmann, zum Beispiel, wenn sie an Weihnachten mit der Prügelstrafe droht, falls Kinder mit fettigem Essen und allzu viel Süßigkeiten vollgestopft werden, da auch das der Gesundheit massiv schadet", sagte der Abgeordnete Ulrich Wilken.

Muslime sind unterschiedlicher Meinung

Für rund 1,6 Milliarden Muslime weltweit hat vor zwei Wochen der Fastenmonat Ramadan begonnen. Zwischen Sonnenauf- und -untergang verzichten Gläubige über gut vier Wochen lang unter anderem auf Essen und Trinken. Die religiöse Tradition des Fastens wird nicht selten kritisch beäugt. Dieses Jahr wird vor allem kontrovers darüber diskutiert, ob das Ramadan-Fasten in Anbetracht der Corona-Pandemie vor allem für Kinder und ältere Menschen medizinisch bedenklich sein könnte. Auch die Muslime selbst sind dabei unterschiedlicher Ansicht. Die Einen lassen ihre Kinder am Ramadan teilnehmen, die Anderen verzichten eher darauf.

Abdullah Wagishauser, Vorsitzender der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland, sagte zum Thema gegenüber Hürriyet.de: "Generell gilt, dass Kinder und Jugendliche nicht fasten sollen. Das gilt auch für Menschen, die krank sind oder sich krank fühlen." Auf die Frage, was unter "Kinder und Jugendliche alterstechnisch zu verstehen sei", antwortete Emir Wagishauser: "17 oder 18 Jahre. Wer früher körperlich fit ist, kann es auch mit 16 Jahren versuchen. Andere sind aber auch mit 19, 20 oder noch älter so weit. Hier muss man Common Sense, den gesunden Menschenverstand walten lassen".

"Eingeschränkte Leistungsfähigkeit" durch Fasten

Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hatte bereits vor Jahren erklärt, dass es "Einzelfälle zu gesundheitlich relevanten oder anderen Vorfällen“ in hessischen Schulen bedingt durch die Fastenpraxis gäbe. Dabei handele es sich um "eingeschränkte Leistungsfähigkeit, übermäßige Müdigkeit und geringe Konzentrationsfähigkeit".

Der hessische SPD-Abgeordnete Turgut Yüksel ist auch dafür, dass die muslimischen Kinder eher auf Fasten verzichten sollten. Die Strafandrohung von Kühne-Hörmann verurteilt er aber scharf und bezeichnet sie als "Unsinn". Es gehe darum, im Dialog einen gemeinsamen Weg zu finden, betont er.

(bl)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.