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R. Kelly: Kein Geld für Kaution

25.2.2019 13:16 Uhr

Seit Freitag sitzt Sänger R. Kelly wegen Missbrauchsvorwürfen im Gefängnis. Und das bleibt wohl vorerst so, denn er hat offenbar nicht die Mittel, um seine Kaution zu bezahlen.

Sein Anwalt Steve Greenberg bestätigte am Sonntag Medienberichte, wonach Kelly die erforderlichen zehn Prozent der auf eine Million Dollar festgelegten Kaution nicht habe zahlen können. Der 52-jährige Musiker sei daher weiterhin in Haft.

"Korrekt", antwortete Greenberg auf die Frage, ob Kelly immer noch inhaftiert sei. Der Sänger war am Freitag ins Gefängnis gekommen, nachdem er sich wegen der Missbrauchsvorwürfe der Polizei in Chicago gestellt hatte.

Kelly wohl doch nicht so reich

Greenberg hob hervor, Kelly sei nicht so reich, wie sein Ruhm es vermuten lasse. Er sei zwar jemand, "der in dieser Phase seiner Karriere reich sein müsste", sagte der Anwalt. Unter anderem wegen "Missmanagement" und "schlechter Verträge" habe der Sänger aber "derzeit wirklich kein Geld".

Dem 52-jährigen R&B-Star wird schwerer sexueller Missbrauch von Minderjährigen vorgeworfen. Am Samstag setzte ein Richter eine Kaution von einer Million Dollar (882.000 Euro) fest. Nach US-Regeln muss Kelly aber nur zehn Prozent - 100.000 Dollar - als Sicherheit hinterlegen. Als weitere Auflagen verfügte der Richter, dass Kelly seinen Pass abgibt und keinen Kontakt zu Minderjährigen sowie zu mutmaßlichen Opfern und Zeugen in dem Verfahren hat.

Sex-Video mit 14-Jähriger

Laut Staatsanwaltschaft geht es in dem Verfahren um Fälle aus den Jahren 1998 bis 2010. Staatsanwältin Kimberly Foxx berichtete von einem etwa 40-minütigen Video, das den Star beim wiederholten Sex mit seinem jüngsten Opfer zeige. In dem von dem Opfer-Anwalt Michael Avenatti übergebenen Video sage das Mädchen "immer wieder", dass es 14 Jahre alt sei.

Ein weiteres Mädchen lernte der Sänger laut Staatsanwaltschaft auf dessen 16. Geburtstagsparty kennen. Der Jugendlichen soll Kelly nach jedem Treffen Geld gegeben haben. Ein weiteres Opfer lernte der Musiker laut der Staatsanwältin 2008 während eines Gerichtsprozesses wegen Pädophilie kennen, als es ihn um ein Autogramm bat.

Shirts mit Sperma-Spuren

Im vierten Fall handelt es sich um eine 24-jährige Friseurin, die von Kelly missbraucht worden sein soll. In den beiden letzten Fällen übergaben die Frauen demnach der Polizei T-Shirts mit Sperma-Spuren. Erste Tests hätten eine Übereinstimmung mit Kellys DNA gezeigt.

Kelly wird seit Jahrzehnten vorgeworfen, minderjährige Frauen missbraucht zu haben. 2002 wurde gegen Kelly Anklage wegen Kinderpornographie erhoben, doch wurde er sechs Jahre später freigesprochen.

"Surviving R. Kelly" brachte die Wende

Allen Vorwürfen zum Trotz blieb der Sänger erfolgreich. Doch nach einer explosiven Fernseh-Dokumentation im vergangenen Monat wendete sich das Blatt. In der sechsstündigen Serie des US-Senders "Lifetime" beschuldigten mehrere Frauen den Sänger, Sex mit Mädchen unter 16 Jahren gehabt zu haben. Andere Zeugen versicherten, der durch Hits wie "I Believe I Can Fly" bekannte Musiker habe Frauen wie Sexsklavinnen gehalten.

Als Konsequenz kündigte das Plattenlabel RCA die Zusammenarbeit mit Kelly auf. Und unter dem Hashtag #MuteRKelly ruft eine Bewegung zum Boykott seiner Musik auf. Die Anklage gegen ihn wird am 8. März verlesen.

(be/afp)