dpa

Psychothriller in der Psychiatrie

24.7.2019 21:07 Uhr

Warum hat die berühmte Malerin Alicia Berenson ihren Ehemann erschossen? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Psychothrillers "Die stumme Patientin" von Alex Michaelides. Niemand kann sich die Tat erklären, war die Ehe doch offenbar glücklich.

Alicia selbst trägt nichts zur Aufklärung bei. Seit sie mit dem Gewehr in der Hand neben der Leiche ihres Mannes gefunden wurde, hat sie kein Wort mehr gesprochen. Auch während ihres Prozesses bleibt sie stumm. Für die Richter gibt es nur eine Erklärung: "Sie musste verrückt sein. Etwas anderes kam nicht infrage."

So kommt Alicia Berenson nicht ins Gefängnis, sondern in eine geschlossene psychiatrische Anstalt. Hier nimmt sich bald ein neuer Psychotherapeut der Patientin an. Theo Faber hat sich extra bei der Klinik beworben, um diese besondere Patientin behandeln zu können. Mit einem Behandlungserfolg könnte er berühmt werden.

Der Erzähler des Romans

Mit Theos Arbeitsbeginn in der Klinik beginnt die Handlung des Romans, in dem er Hauptakteur und Erzähler ist. Schon bald gelingt es ihm, Alicia kennenzulernen und zu ihrem Therapeuten zu werden. Aber so sehr er sich auch bemüht, Alicia bleibt stumm.

Theo verbeißt sich geradezu in den Fall. Nicht nur, dass er immer wieder neue Versuche unternimmt, zu Alicia durchzudringen, er macht sich auch wie ein Detektiv daran, die weitgehend verborgenen Fakten zu Alicias Vergangenheit zusammenzutragen. Allmählich zeigt sich dabei recht deutlich, wie besessen Theo mittlerweile von dem Ziel ist, Alicia zum Sprechen zu bringen.

Kein Psychologie-Roman, sondern ein Thriller

Theos Behandlungsversuche stehen im Mittelpunkt der Erzählung, aber "Die stumme Patientin" ist kein Psychologie-Roman, sondern ein Thriller. Je weiter die Handlung fortschreitet, umso deutlicher wird, dass nicht nur Alicia Geheimnisse verbirgt. Theo wirkt mitunter völlig vereinnahmt von Alicias Fall, obwohl sich in seinem Privatleben gerade die Probleme häufen.

Die Handlung nimmt Fahrt auf, als Theo Alicias Tagebuch in die Hand bekommt. Nun werden manche Dinge klar, aber gleichzeitig tauchen neue Rätsel auf, die der Romanhandlung eine ganz andere Richtung geben und letztlich zu einer sehr überraschenden Auflösung führen.

Der Brite Alex Michaelides hat in seinem Debütroman seine Erfahrungen als zeitweiliger Mitarbeiter einer psychiatrischen Klinik ebenso mit eingebracht wie die Technik, Geschichten spannend zu erzählen, die aus seiner Erfahrung als Drehbuchautor fürs Kino stammen.

"Die stumme Patientin" ist ein ungewöhnlicher Thriller voller Wendungen, deren Bedeutung sich erst auf den letzten Seiten mit voller Wucht erschließt.

- Alex Michaelides: Die stumme Patientin. Droemer Verlag, München, 378 Seiten, 14,99 Euro, ISBN 978-3-426-28214-4.

(gi/dpa)

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