Symbolbild: imago images / Ralph Peters

Prozess um mutmaßlichen Mord an Sexmob-Komplizin begonnen

27.8.2019 19:37 Uhr

Mit einer Zurückweisung der Vorwürfe durch die Verteidigung hat vor dem Frankfurter Landgericht am Dienstag der Prozess gegen einen Gastronomen begonnen, der seine mutmaßliche Komplizin in einer Medienaffäre um einen erfundenen Sexmob ermordet haben soll.

Jan M. soll seine 29-jährige Geschäftspartnerin Irina A. laut Anklage im Mai 2018 aus Habgier heimtückisch getötet haben. Daneben ist der 51-Jährige wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz und wegen Betrugs angeklagt. Mindestens 21 Stiche in den Nacken- und Halsbereich wirft die Staatsanwaltschaft M. in ihrer Anklage vor. A. sei unter anderem an der Halsschlagader getroffen worden und verblutet. Anschließend habe M. ihren Schmuck und ihren Autoschlüssel gestohlen.

In einer von seinem Verteidiger Hans Wolfgang Euler verlesenen Stellungnahme bestritt M. die Vorwürfe und beteuerte seine Unschuld. Er wisse nicht, wer A. getötet habe. Er vermute aber, dass Geldwäsche der Grund für ihren Tod gewesen sein könnte. Das habe die Hauptzeugin Stanislava T., genannt Anastasia, in ihrer Vernehmung ausgesagt. Sie war A.s beste Freundin.

M. selbst habe sich seiner Mitwisserin in der sogenannten Sexmobaffäre nicht entledigen wollen, sagte der Verteidiger. Es habe für ihn nicht den "geringsten Anlass" dafür gegeben, auch nur darüber nachzudenken, A. zu töten.

Opfer starb wenige Tage vor dem Prozess-Beginn

Der Gastronom und das Mordopfer hatten Anfang 2017 gegenüber der "Bild"-Zeitung behauptet, in der Silvesternacht habe es in der sogenannten Fressgass in Frankfurt sexuelle Übergriffe, Körperverletzungen, Diebstähle sowie äußerst aggressives Verhalten "von Massen an Flüchtlingen" gegeben. Die Geschichte stellte sich als Lüge heraus.

A. starb wenige Wochen vor dem geplanten Beginn eines Prozesses gegen sie und M. wegen Vortäuschens einer Straftat. "Wir waren beide entschlossen, unsere Fehler einzugestehen - sie waren ja offensichtlich", sagte der Verteidiger in M.s Namen zu dem erfundenen Sexmob.

M. habe das Opfer tot im Park gefunden und es aus Angst verschwiegen

Weiter erklärte die Verteidigung, am Tatabend habe das Opfer den Angeklagten gefragt, ob er Zeit für ein Treffen habe. Er habe verneint, weil er bereits verabredet gewesen sei. A. habe sich aber wieder melden sollen. Bis um etwa 22.00 Uhr seien Handwerker in M.s Haus beschäftigt gewesen. Anschließend sei er zum Essen gegangen und erst um 01.00 Uhr morgens zurückgekehrt.

Weil sich A. nicht verabredungsgemäß bei ihm gemeldet habe, habe er sie ab 03.00 Uhr gesucht und schließlich tot im Niddapark gefunden. Er habe beschlossen, das Auffinden der Leiche seiner Geschäftspartnerin im Park zu verschweigen, weil er laut Verteidigung Angst hatte, mit ihrem Tod in Verbindung gebracht zu werden.

Anastasia soll jedoch über ein Telefongespräch berichtet haben, in dem M. seine Geschäftspartnerin an ein Treffen am Tatabend erinnert haben soll. Das sei falsch, sagte M.s Anwalt. Es habe keine Verabredung zwischen den beiden gegeben.

Die Verteidigung beantragte die Unterbrechung der Hauptverhandlung und die "umgehende" Ladung Anastasias vor dem vorgesehenen Termin am 8. September, weil es in ihren Aussagen eine "Vielzahl von Widersprüchen" gebe. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Volker Kaiser-Klan lehnte den Antrag ab. Bis Mitte Januar sind zunächst 16 weitere Verhandlungstermine angesetzt.

(gi/afp)

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