Hürriyet

Prozess gegen Terrorist von Utrecht beginnt

1.7.2019 21:34 Uhr

Am 18. März 2019 erschoss der 37-jährige Gökmen Tanis in und um eine Straßenbahn herum drei Menschen, verletzte drei weitere Personen, von denen ein Opfer im Krankenhaus verstarb. Gegen ihn beginnt derzeit der Prozess in den Niederlanden und er nutzte die erste Gelegenheit dazu, seine Opfer und deren Hinterbliebene zu verhöhnen.

Während der Gerichtsverhandlung weigerte sich Tanis, die an ihn gestellten Fragen zu beantworten, was die Motivation für seine Tat gewesen wäre. Stattdessen sprach er recht unzusammenhängend über Demokratie und die Scharia. Er führte an, das Strafrecht der Demokratie in Holland würde nicht für ihn greifen, er sei der Scharia unterworfen. Zudem fügte er hinzu, dass an jedem Tag einhundert bis einhundertfünfzig muslimische Männer getötet würden.

Das brachte Rene Verschuur, Vater der ermordeten 19-jährigen Roos und Nebenkläger, in Rage. Er rief dem Angeklagten Tanis "Feigling, du bist ein Schwein" entgegen. Als er sich wieder beruhigt hatte, sagte der Vater des Opfers vor dem Gerichtssaal: "Das kam bei mir aus tiefster Seele. Ich wollte ihn unbedingt wissen lassen, was ich von ihm halte. Das war am heutigen Tag mein einziges Ziel. Er hat meiner Tochter das junge Leben genommen. Er soll wissen, wie wütend mich das macht."

Schlag ins Gesicht der Opfer

Anwalt Edwin Bosch, der die verletzte Melanie aus Nieuwegein vertritt, bezeichnet Tanis Vorgehen als Schlag ins Gesicht von Opfern und Angehörigen. "Es ist eine absolute Beleidigung. Wenn er den Mut hatte, eine solche Tat zu begehen, dann soll er gefälligst auch den Mut haben, sich vor Gericht einzulassen und auf keinen Fall Verstecken spielen." Bosch hat besondere Schwierigkeiten, dass der Angeklagte angeblich die Scharia verherrlicht. "Jemand, der all das wie er auf dem Kerbholz hat, der schon so viel Verbrechen begangen hat, der würde unter den Gesetzen der Scharia sehr schlecht fahren. Mit welcher Hand hat er im Mai 2014 Ladendiebstahl begangen und gestohlen? Dann schneiden wir ihm die Hand doch ab."

Laut Bosch ist es wichtig, dass die Angehörigen eine Antwort auf die Frage erhalten, was Tanis angetrieben hat, als er in der Straßenbahn das Feuer eröffnete. "Es gibt einen Einblick, warum jemand etwas tut. Auch wenn die Hinterbliebenen der Motivation zur Tat natürlich nicht zustimmen werden, kann eine solche Erklärung auch den Opfern Frieden verschaffen." Michael Hoveling will auch wissen, was der Grund für den Angriff war. Der Sohn des verstorbenen Willem Hoveling (74) nennt Tanis Haltung während des Prozesses "respektlos". "Einerseits ruft er, dass er das Gericht nicht anerkenne, andererseits hat er alle Gesetzeslücken ausgenutzt, um sich einer Verurteilung zu entziehen. Ich finde das eher doppeltzüngig. Aber ich habe ehrlich gesagt auch nichts anderes von ihm erwartet."

Terror als Tatmotiv wird immer offensichtlicher

Nach dem heutigen Tag glaubt Michael Hoveling nicht mehr daran, dass Tanis einfach "ein durchgeknallter Verrückter" ist. "In ihm steckt etwas Berechnendes. Er hatte seine Geschichte gut vorbereitet. Ob es ein Trick ist oder ob er diesen Glauben wirklich so auslebt, weiß ich nicht. Auf jeden Fall hoffe ich, dass seine Strafe langjährig ist. Obwohl ich meinen Vater dadurch natürlich nicht zurückbekomme." Für Rechtsanwalt Rutger Sturkenboom, der eine Reihe von Verwandten und Opfern unterstützt, gibt es nach dem heutigen Tag Klarheit. "Wir haben jetzt die echte Bestätigung, dass es ein terroristisches Motiv gibt. Sein Handeln richtet sich gegen die gesamte Gesellschaft. Und indem er die Scharia über unsere Demokratie stellt, steckt eindeutig eine Ideologie dahinter."

Die Frage nach dem Warum bei der Tat ist für Mandanten von Sturkenboom nicht so zentral. "Das terroristische Motiv ist für die gesamte Gesellschaft von besonderer Bedeutung. Die Trauer der Verwandten verringert diese Bedeutung nicht. Diese Frage beschäftigt sie darum derzeit nicht so sehr."

(Hürriyet.de)

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