afp

Proteste in Mexiko gegen Migranten aus Zentralamerika

19.11.2018 17:40 Uhr

In Mexiko nehmen die Spannungen wegen der Flüchtlinge in Richtung USA zu. In der Grenzstadt Tijuana gingen am Sonntag hunderte Menschen auf die Straßen.

Während die Mehrheit lautstark gegen die Migranten aus Zentralamerika protestierten, zeigte eine Minderheit Solidarität mit den Flüchtlingen. In El Salvador machte sich unterdessen eine neue Gruppe von Migranten auf den Weg in die USA. Rund 400 Gegner mit mexikanischen Flaggen versammelten sich auf einer der Hauptstraßen von Tijuana. "Nein zur Invasion!", skandierte die Menge. "Die Menschen hier hängen stark vom Handel und vom Grenzverkehr ab", sagte die 58-jährige Esther Monroy. "Wenn sie die wegen denen schließen, die sie mit Gewalt überwinden wollen, treffen sie uns wirtschaftlich." Zwar seien auch Familien und Bedürftige unter den Flüchtlingen, aber die Mehrheit seien doch wohl Kriminelle, sagte die Frau.

"Die sind gekommen, um uns zu lynchen."

Mitte Oktober hatten tausende Honduraner einen Marsch Richtung USA begonnen. Später folgten zahlreiche Menschen aus El Salvador. In der mexikanischen Stadt Tijuana an der Grenze zu den USA sind inzwischen rund 2500 Migranten in einer behelfsmäßigen Unterkunft in einem Stadion untergebracht worden. Das Stadion war am Sonntag Ziel der Gegner. Hunderte Bereitschaftspolizisten riegelten die Umgebung ab. "Raus Honduraner, wir wollen euch nicht!", rief die Menge und "Es lebe Mexiko! Es lebe Tijuana!" "Lass mich durch, ich bin in meinem Land", forderte ein Demonstrant einen Polizisten auf. "Wenn ich Marihuana rauche, nimmst du mich fest... Was ist mit denen?" "Wir haben große Angst", sagte eine geflüchtete Frau, eine Honduranerin mit Namen Sandra Maldonado. "Die sind gekommen, um uns zu lynchen."

Gegenreaktionen

Etwa ein Dutzend Menschen gingen am Sonntag hingegen für die Migranten auf die Straße. "Gewalt führt zu mehr Gewalt" und "Keine Diskriminierungen" riefen die Demonstranten. Eine 26-jährige Studentin sagte, die Flüchtlinge seien völlig harmlos, sie "verhalten sich anständig", es seien Familien mit Kindern. US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf für die Kongresswahlen mit rassistischen Untertönen massiv Stimmung gegen die Migranten aus Mittelamerika gemacht und von einer "Invasion" gesprochen. Er schickte tausende Soldaten an die Grenze zu Mexiko und verschärfte das Asylrecht. Am Sonntag machten sich in der salvadorianischen Hauptstadt San Salvador weitere 200 Menschen, unter ihnen viele Familien mit Kindern, mit Bussen auf die Reise Richtung USA. Sie wollen über Guatemala und Mexiko in die Vereinigten Staaten gelangen, um der Armut und Bandenkriminalität in ihrer Heimat zu entkommen. "Die Wahrheit ist, dass ich keine große Wahl habe", sagte die 36-jährige Cecilia Bonilla. Die alleinerziehende Mutter zweier Söhne begründete ihren Entschluss mit Armut und Bandenkriminalität. "Ich will nicht weg, aber was soll ich hier, allein mit zwei Kindern. Ohne Hilfe von irgendwem. Und die Gangs bedrohen uns. Also gehen wir besser."

(be/afp)