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Proteste in Algerien gehen weiter

5.4.2019 23:48 Uhr

Auch nach der Abdankung von Präsident Abdelaziz Bouteflika gehen die Massendemonstrationen weiter. Den siebten Freitag in Folge waren die Straßen und Plätze im Zentrum der Hauptstadt Algier überfüllt mit Demonstranten. Auch in anderen Städten protestierten die Menschen. Beobachter sprachen von Hunderttausenden. Auf Transparenten und in Sprechchören forderten sie eine Entmachtung der politischen Elite und eine "neue Republik".

Bouteflika hatte in dieser Woche nach wochenlangen Protesten gegen ihn seinen Rücktritt erklärt. Am Mittwoch erklärte der Verfassungsrat des Landes den Posten des Staatschefs offiziell für unbesetzt. Bouteflika war 20 Jahre an der Macht, konnte dieses Amt aber nach einem Schlaganfall praktisch nicht mehr ausfüllen.

Neuwahlen innerhalb von drei Monaten

Seinen Posten übernimmt laut Verfassung nun im Übergang der Chef des parlamentarischen Oberhauses, Abdelkader Bensalah. Dabei handelt es sich um einen alten Weggefährten Bouteflikas. Bensalah muss innerhalb von 90 Tagen eine Neuwahl des Präsidenten organisieren.

Allerdings stößt er bei den Demonstranten genauso auf Ablehnung wie der gerade erste berufene neue Ministerpräsident Noureddine Bedoui. "Die Algerier haben noch nicht ihr Ziel erreicht", sagte der Demonstrant Baschir Khalouli in Algier. "Unsere Forderung ist nicht auf eine einzelne Person beschränkt. Sie umfasst das gesamte Regime, das das Land mehr als 20 Jahre lang kontrolliert hat."

Algerien wird seit Jahrzehnten von einem engen Geflecht aus Militärs, Politikern, Geheimdienstlern und Wirtschaftsvertretern regiert. Bouteflika galt zuletzt nur noch als Gesicht dieser Machtelite.

(an/dpa)