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Prinzeninseln: Historisches Waisenhaus Prinkipo einsturzgefährdet

12.2.2020 10:34 Uhr

Das historische Waisenhaus auf der größten der Prinzeninseln vor Istanbul, Büyükada, ist akut vom Einsturz bedroht. Wie Luftaufnahmen zeigen, sind bereits Teile des Daches eingestürzt, das Gebäude befindet sich in einem desolaten Zustand. Ob es noch gerettet werden kann, ist fraglich.

Erbaut wurde das Gebäude mit Stilelementen der Belle Epoque von 1898 bis 1903 durch den französisch-osmanischen Architekten Alexandre Vallaury als Luxushotel und Casino. Es ist das größte Gebäude aus Holz in Europa und das zweitgrößte Holzgebäude weltweit.

Von oben sieht man die eingestürzten Dächer des Prinkipo-Waisenhauses (Bild: dha)

Vom Casino zum Waisenhaus

Doch da Glücksspiel verpönt war, wurde dem Hotel die Konzession verweigert. Schon bald darauf musste es verkauft werden. Die griechische Familie, die das Hotel aufkaufte, schenkte es dem ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel.

Von 1903 bis 1964 wurde das Gebäude auf einer Anhöhe auf der Insel Büyükada als Waisenhaus genutzt. Über die Jahre hinweg wuchsen hier rund 5.800 Waisen auf.

Nachdem das Waisenhaus 1964 aus "Hygienegründen" geschlossen wurde, beschlagnahmte der türkische Staat es im Jahr 1997, nur um es nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte 2012 wieder zurückzugeben. Das zu diesem Zeitpunkt bereits stark beschädigte Gebäude konnte durch das Patriarchat nicht saniert werden – die Herrichtung des Gebäudes wurde mit rund 65 Millionen Euro beanschlagt.


Vom Prunkhotel zum Gruselhaus (Bild: dha)

Seit 2012 als gefährdet eingestuft

Das Prinkipo Waisenhaus wurde vom Wold Monuments Fund als gefährdet eingestuft. 2018 bat das Ökumenische Patriarchat den türkischen Staat um Hilfe bei der Sanierung, nachdem der europäische Denkmalschutzverbund Europa Nostra sowie die Europäische Investitionsbank das Gebäude auf die Liste der am stärksten gefährdeten Kulturdenkmäler in Europa setzte.

Besucher, die auf die Prinzeninseln kommen, spazieren gerne durch den Pinienwald auf die Anhöhe, auf der sich das Gebäude befindet, um durch die Gitterstäbe der Zäune Fotos des verfallenen Holzgebäudes zu machen. Die Bewohner der Insel wünschen sich, dass dem historischen Bauwerk durch eine Sanierung neues Leben eingehaucht wird. So sagt Enes Faruk Sahin, ein Besucher: "Das Gebäude ist in einem traurigen Zustand. Ich hoffe, dass sich jemand des Projekts annimmt".

(Berna Ehrhardt)

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