epa/Raul Zamora

Präsident will Kabinett austauschen

26.10.2019 23:19 Uhr

In Chile hat Präsident Sebastian Pinera alle seinen Ministern den Rücktritt nahe gelegt. Grund sind die regierungskritischen Massenproteste der letzten Tage im Land. Das verkündete er am Samstag bei einer Ansprache im Präsidentenpalast in der Hauptstadt Santiago.

Er sagte, er wolle ein neues Kabinett aufstellen, "um diesen neuen Forderungen zu begegnen und uns der neuen Zeiten anzunehmen." Er erklärte zudem seine Absicht, in der Nacht zum Montag den Ausnahmezustand im ganzen Land aufzuheben, "wenn die Umstände es erlauben".

19 Tote bei Zusammenstößen mit der Polizei

Am Freitag waren in der Haupstadt und anderen Städten mehr als eine Million Menschen aus Protest auf die Straße gegangen. Bei gewalttätigen Zusammenstößen kamen mindestens 19 Menschen ums Leben.

Die Protestwelle hatte sich vor gut einer Woche an der Erhöhung der Preise für U-Bahn-Fahrkarten in Santiago um umgerechnet vier Euro-Cent entzündet. Sie weitete sich rasch auf das ganze Land aus - mit Forderungen, die weit über die ursprünglich beanstandeten Fahrpreise hinausgingen. Dabei entlud sich aufgestauter Ärger unter anderem wegen niedriger Löhne und Renten, hoher Preise, hoher Studiengebühren und wegen extremer Unterschiede zwischen Armen und Reichen.

In den ersten Tagen arteten die Demonstrationen in Brandanschläge und Plünderungen aus. Ab Mittwoch wurden die Versammlungen zu massiven Protestkundgebungen. Diese nahmen auch nicht ab, als Piñera erst die Erhöhung der Preise für U-Bahn-Tickets rückgängig machte und ein paar Tage später ein Maßnahmenpaket ankündigte, das auf einige der Forderungen der Demonstranten einging.

(an/dpa)

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