Hürriyet

Präsident Erdogan will Türkei zum Wissenschaftszentrum machen

24.5.2019 8:49 Uhr

Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich geschworen, die Türkei zu einem Zentrum für Wissenschaften und Wissenschaftler zu machen. Das Ganze fand anlässlich einer Rede statt, in der sich der Präsident dem 2018 im Alter von 93 Jahren verstorbenen Orientalisten Fuat Sezgin sowie seines Werdeganges widmete, der posthum im Jahre 2019 mit dem "Prof. Dr. Fuat Sezgin-Jahr" in der Türkei eine besondere Ehrung erfährt. Welche Wissenschaften und Wissenschaftler im Fokus des Wissenschaftszentrums Türkei stehen sollen, blieb offen.

"In der kommenden Zeit werden wir unser Land zu einem viel wichtigeren Zentrum für alle Wissenschaftler machen. Diese Entwicklung bedeutet auch, dass sich der Staub, der auf der Zivilisation liegt, verteilt und das Feuer entzündet wird", sagte Erdogan am Gedenktag des verstorbenen Orientalisten Fuat Sezgin. Wenn jemand die Wissenschaft schätze, müsse ihm der Weg geebnet werden, sagte er und fügte hinzu, dass die Regierung gegen die "Bigotterie der alten Zeit" kämpfen müsse. Er identifizierte sie als einen Kampf gegen die "koloniale Intelligenzschicht".

Sezgin floh 1960 aus der Türkei

"Obwohl wir diese Mentalität nicht vollständig beseitigt haben, ist es eine Tatsache, dass wir das Spektrum der wissenschaftlichen Studien so weit wie möglich erweitern", bemerkte der Präsident. Welche Faktoren "Erweiterungsmöglichkeiten einschränken", wurde nicht erwähnt. Die Türkei habe dank dieser Bemühungen mehr Interesse für die Bereiche Sozialwissenschaften, vor allem aber für Geschichte, Kultur, Kunst und Literatur geweckt, merkte Erdogan an.

Mit Bezug auf Sezgin sagte der Präsident, dass Sezgin von der Istanbuler Universität entlassen wurde, bevor er nach Deutschland zog, wo sein Studium sehr geschätzt wurde. "Eine der größten Schanden in unserer Geschichte, ist die Entlassung eines solchen Wissenschaftlers von der Universität Istanbul nach dem Putsch von 1960. Nach seiner Entlassung von der Universität Istanbul setzte Fuat Sezgin sein Studium in Deutschland fort. Deutschland hat unseren Akademiker mit offenen Armen aufgenommen", erklärte Erdogan.

Sezgin veröffentlichte einen wichtigen Teil seiner Werke, "die in der Geschichte der islamischen Wissenschaft und Technologie einzigartig sind", in deutscher Sprache. Er fügte hinzu, dass diese Werke in der deutschen Geschichte rechtlich gesichert wurden. Erdogan fuhr damit fort, dass Sezgin zur damaligen Zeit wegen der "Darstellung des Islam" als Thema seiner Arbeiten in der Türkei nicht willkommen gewesen sei. "Wenn er römische oder byzantinische Geschichte studiert hätte, nicht den Islam, wäre er für den Rest seines Lebens an der Universität von Istanbul geblieben", sagte der Präsident.

Sezgin im Mittelpunkt von Ermittlungen in Deutschland

Sezgin war zu Lebzeiten und über seinen Tod ein renommierter türkischer Orientalist sowie Wissenschaftshistoriker und er war Gründer und langjähriger Direktor des Instituts für Geschichte der arabisch-islamischen Wissenschaften an der Universität in Frankfurt. Zu einigen Verwicklungen in Deutschland kam es Mitte 2017, als der Wissenschaftler Bücher außer Landes bringen wollte. Da die Behörden in Hessen davon ausgingen, dass Sezgin Bücher ins Ausland schaffen wollte, die von öffentlichen Geldern in Deutschland finanziert wurden, war ihm danach das Betreten des Instituts untersagt worden. Ein Strafverfahren wurde eingestellt.

Große Aufmerksamkeit auch in der Türkei wurde Sezgin zuteil, als er eine Theorie formulierte, es seien "höchstwahrscheinlich arabische Muslime" gewesen, die eigentlich Amerika entdeckt haben könnten. Gerade in der muslimischen Welt fand das großen Anklang. Später relativierte und differenzierte der Orientalist seine frühere Aussage und meinte gegenüber der FAZ in einem Interview aus dem Jahr 2014, Kolumbus habe sich beim Auffinden von Amerika auf "arabische Karten" des "Piri Re’is" gestützt. Wobei die eigentlich auf das Jahr 1513 datiert sind, also nach Kolumbus.

(Hürriyet.de)