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Präsident Erdogan verteidigt türkischen Spitzenkleriker im Homosexualitätsstreit

28.4.2020 13:22 Uhr

Der Chef der Religionsbehörde Diyanet in der Türkei, Ali Erbas, hat mit Äußerungen über Homosexualität für mächtig Wirbel gesorgt. Nun hat Recep Tayyip Erdogan den hochrangigen Islam-Vertreter in Schutz genommen.

In einer Rede am Montagabend nannte der türkische Präsident die Attacken auf Erbas einen "Angriff auf den Staat". Was der Religionsführer gesagt habe, sei "absolut richtig", so Erdogan. "Die Präsidentschaft für religiöse Angelegenheiten Diyanet ist eine staatliche Institution. Wie Sie wissen, gab der Leiter eine Erklärung ab. Mit dieser Aussage erfüllte er seinen Job im Einklang mit seinem Glauben und seiner Gelehrsamkeit. Was er sagte, war völlig richtig", so Präsident Erdogan nach einer Kabinettssitzung am 27. April.

Anwaltskammer im präsidialen Aufmerksamkeitsbereich

Präsident Erdogan attackierte auch die Anwaltskammer und sagte, sie sei nicht befugt, eine Erklärung zu einer religiösen Angelegenheit abzugeben. "Der Ton der Aussagen, der gegen die Ansichten unseres Diyanet-Vorsitzenden verwendet wird, hat sich zu einer absichtlichen Kampagne gegen den Islam entwickelt. Jeder Angriff auf unseren Präsidenten der Diyanet ist ein Angriff auf den Staat", betonte er.

Auch wenn in Artikel 2 der türkischen Verfassung festgeschrieben ist, dass die Türkei sich als "demokratischer laizistischer und sozialer Rechtsstaat" definiert, gibt es keine absolute Trennung zwischen Religion und Staat, wie es zum Beispiel in Frankreich der Fall ist. Die Religionsangelegenheiten sind Teil des Staates, weil unter staatlicher Kontrolle.

Anwaltsverband: Erbas schürt Hass

Erbas hatte während einer Freitagspredigt am 24. April unter anderem behauptet, dass der Islam Ehebruch als "eine der größten Sünden" kategorisiert und "Homosexualität verflucht". Zudem suggerierte er, dass Homosexualität "Krankheiten verursacht und die Generation verkümmern lässt".

Viele Menschen warfen Erbas daraufhin in den Online-Netzwerken vor, mitten in der Corona-Pandemie für Zwietracht zu sorgen. Der Anwaltsverband von Ankara warf Erbas vor, zum Hass gegen Lesben und Schwule anzustacheln. Die Staatsanwaltschaft von Ankara ermittelt nach einer Beschwerde der Diyanet nun gegen den Anwaltsverband wegen "Beleidigung religiöser Werte". Die Behörde Diyanet betreibt in der Türkei Moscheen und ernennt Imame.

(mb)

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