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Popstar Sila: Prozess gegen Ex-Freund wegen Misshandlung beginnt

7.3.2019 9:52 Uhr

Am Donnerstag beginnt in Istanbul der Prozess gegen den türkischen Schauspieler Ahmet Kural, der seine Freundin, die erfolgreiche Pop-Sängerin Sila, misshandelt haben soll.

Sila wirft ihrem Ex-Freund vor, sie am 29. Oktober geschlagen und beleidigt zu haben. Der Prozess beginnt einen Tag vor dem Internationalen Weltfrauentag und sorgt für große Aufmerksamkeit in der Türkei.

Was war passiert?

Medienberichten zufolge wurde Sila am 29. Oktober (der "Tag der Republik" in der Türkei, Anm. d. Redaktion) von Ahmet Kural angegriffen. Er habe sie auf den Boden gezerrt. Als sie versuchte zu fliehen, soll er ihr mit einem Aschenbecher auf den Kopf geschlagen haben. "Er hat mich beleidigt. Der Vorfall dauerte rund 45 Minuten", sagte die Sängerin.

Nachdem sie fliehen konnte, ging Sila umgehend zur Polizei, um Anzeige zu erstatten und den Vorfall zu Protokoll zu geben. Dort seien auch die diversen Prellungen und Verletzungen, die ihr durch Kural zugefügt worden seien, dokumentiert.

Kural widerspricht der Darstellung

Ahmet Kural äußerte sich in einem TV-Interview und bestritt die Vorwürfe als "hässliche Behauptung". Er fügte hinzu: "Ich habe sie nur am Arm festgehalten. Jede andere Behauptung ist unwahr."

Prominente Unterstützung für Sila

Nach dem Vorfall – und der Tatsache, dass die Sängerin damit an die Öffentlichkeit ging – erhielt sie Zuspruch von vielen, größtenteils weiblichen, Prominenten. So postete Sängerin Gülben Ergen auf den sozialen Medien: "Er ist ein schwacher Mann. Er wurde gewalttätig, nur weil sie ihm nicht gehorchen wollte, weil sie schön und erfolgreich ist. Sie wird dadurch nur noch stärker werden".

Auch Superstar Demet Akalin stellte sich hinter Sila: "Ich werde immer zu dir stehen", postete sie.

Gewalt gegen Frauen

Der Prozess, der heute in Istanbul beginnt, wird von vielen Frauenrechtsorganisationen beobachtet werden. Ahmet Kural drohen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft.

Laut der Frauenrechtsgruppe "We Will Stop Femicide" wurden im Jahr 2018 440 Frauen ermordet, oft durch Beziehungstaten oder Familienmitglieder. Die Zahl ist in den letzten Jahren dramatisch angestiegen.

Aktualisierung vom Prozess

Kural wies zum Prozessauftakt den Vorwurf zurück, seine ehemalige Partnerin Ende Oktober beschimpft und geschlagen zu haben, wie die Nachrichtenagentur DHA berichtete. Sie hätten sich in seinem Haus in Istanbul gestritten und es sei zu einem Gerangel gekommen, sagte er demnach aus. Beide hätten Alkohol getrunken gehabt. Die Sängerin sei dann gegangen und habe ihm gedroht, ihn «fertig zu machen».

Gencoglu, die als Künstlerin unter ihrem Vornamen Sila bekannt ist, sagte nach Angaben von DHA vor Gericht aus, Kural sei eifersüchtig gewesen und habe sie zunächst angeschrien, dann beschimpft und gedroht, sie zu töten. Dann habe er sie misshandelt, erst nach einer Stunde sei es ihr gelungen, zu entkommen. «Er hat meinen Kopf gegen die Wand geschlagen. Ich bin zu Boden gefallen, er hat gegen meinen Kopf und gegen die Nieren getreten», sagte die Sängerin demnach.

(Berna Ehrhardt/dpa)