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Pompeo und Netanjahu besuchen die Klagemauer gemeinsam

21.3.2019 21:08 Uhr

Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo hat zusammen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu die Klagemauer besucht. Das bedeutet einen Bruch mit den bisherigen diplomatischen Geflogenheiten. Pompeo und Netanjahu begaben sich am Donnerstag gemeinsam zu dem religiös bedeutsamen Monument, begleitet wurden sie von US-Botschafter David Friedman.

Es war das erste Mal, dass ein so hochrangiger US-Vertreter und ein israelischer Regierungschef die Klagemauer gemeinsam besuchten, wie zwei ehemalige US-Diplomaten bestätigten.

Pompeo legte eine Hand auf die Mauer und steckte einen Zettel mit Gebeten in eine Ritze des Gemäuers, wie es Tradition ist. Die Klagemauer, ein Nationalsymbol Israels, ist eine aus großen Steinquadern bestehende Stützmauer des Hochplateaus, auf dem der vor 2000 Jahren zerstörte Zweite Jüdische Tempel stand.

Ebenfalls auf dem Tempelberg befinden sich die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom. Damit ist er zugleich das drittwichtigste Heiligtum des Islams nach Mekka und Medina.

Donald Trump war 2017 allein an der Klagemauer

US-Präsident Donald Trump hatte die Klagemauer im Mai 2017 besichtigt, wurde dabei aber nicht von einem israelischen Regierungsvertreter begleitet. Die Klagemauer auf dem Tempelberg, einer der heiligsten Orte des Judentums, befindet sich in Ost-Jerusalem, das Israel 1967 besetzt und später annektiert hatte.

Die internationale Gemeinschaft stufte diese Annexion als illegal ein. Israel pocht darauf, dass Jerusalem seine unteilbare Hauptstadt sei. Der Ost-Teil der Stadt wird allerdings auch von den Palästinensern als Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaates reklamiert.

Pompeo hatte seinen gemeinsamen Auftritt mit Netanjahu an der Klagemauer vorab als "wichtig" und "symbolträchtig" bezeichnet. Der Besuch erfolgte mitten im israelischen Wahlkampf. Am 9. April wird ein neues Parlament gewählt. Trotz Korruptionsermittlungen gegen ihn hofft Netanjahu auf ein weiteres Mandat, es wird mit einem knappen Ausgang gerechnet. Kommende Woche reist er nach Washington, um Trump zu treffen.

Verlegung der Botschaft nach Jerusalem

Dieser hatte Ende 2017 Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und damit mit dem jahrzehntelangen internationalen Konsens gebrochen, einer endgültigen Friedensvereinbarung zwischen Israel und den Palästinensern nicht vorzugreifen. Die US-Botschaft in Israel wurde von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt und im Mai vergangenen Jahres offiziell eingeweiht.

Aaron David Miller vom Washingtoner Wilson Center, der früher mehrere republikanische und demokratische US-Außenminister bei den Nahostverhandlungen beriet, sagte der Nachrichtenagentur AFP, mit Pompeos Besuch an der Klagemauer wolle Trumps Regierung zeigen, dass sie "die am stärksten proisralische Regierung in der Geschichte der US-israelischen Beziehungen" sei. Dieses Zeichen setze sie "knapp drei Wochen vor einer israelischen Wahl".

Ein noch wichtigeres Signal kam am Donnerstag von Trump: Er sprach sich via Twitter für die Anerkennung der Golanhöhen als israelisches Gebiet aus.

(an/dpa)