dpa

Polizeirazzia sorgt für Spannungen

28.5.2019 22:45 Uhr

Eine Razzia der Polizei gegen Schmuggler im größtenteils serbisch bevölkerten Norden des Kosovos hat für neue Spannungen zwischen Belgrad und Pristina gesorgt. Nach kosovarischen Medienberichten nahm die Polizei am Dienstag mehrere Dutzend Verdächtige fest, unter ihnen mehrere Polizeibeamte. Zwei Polizisten, die sich ihrer Festnahme widersetzten, wurden verletzt.

Im Nordteil von Kosovska Mitrovica, dem Zentrum des serbisch bevölkerten Landesteils, betätigten serbische Bürger die Sirenen, als sie das Kommando der Sonderpolizei in den frühen Morgenstunden anrücken sahen. Der serbische Präsident Aleksandar Vucic versetzte Polizei und Armee im benachbarten Serbien in den Bereitschaftszustand.

"Das Ganze dient nur dazu, das serbische Volk (im Nordkosovo) einzuschüchtern", erklärte Vucic am Dienstag in Belgrad. Die Serben, die dort viel gewohnt seien, hätten zunehmend Angst. Der kosovarische Ministerpräsident Ramush Haradinaj teilte über Twitter mit: "In den nördlichen Gemeinden des Kosovos sind Operationen gegen das Schmuggelwesen und die organisierte Kriminalität im Gange, als Teil unseres Bestrebens, den Rechtsstaat für alle durchzusetzen."

Enge Verbindungen zur Mafia

Im Nordteil von Mitrovica und drei weiteren Gemeinden, die unmittelbar an Serbien grenzen, regieren von Belgrad unterstütze Machtstrukturen mit engen Verbindungen zur Mafia. Obwohl das Gebiet zum Kosovo gehört, haben die kosovarischen Behörden dort keine entscheidende Präsenz. Maßnahmen zur Strafverfolgung können dort in der Regel nur im Rahmen großangelegter Razzien erfolgen.

Das Kosovo ist heute zu mehr als 90 Prozent von Albanern bewohnt. Die ehemals serbische Provinz hatte sich nach einem bewaffneten Aufstand und mit Hilfe einer Nato-Intervention 1999 von Belgrad abgespalten und 2008 für unabhängig erklärt. Serbien hat dies nie anerkannt und betrachtet seine ehemalige Provinz weiterhin als eigenes Staatsgebiet.

(gi/dpa)