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Polizei geht hart gegen Textilarbeiter in Bangladesch vor

13.1.2019 16:34 Uhr

Auch wenn die Polizei in Bangladesch mit harter Hand gegen die demonstrierenden Textilarbeiter, die mehr Lohn wollen, vorgeht, hat es nicht den Eindruck, als würde sich die Protestierenden zurückziehen oder gar aufgeben. Zu viel steht für sie auf dem Spiel.

Die Polizei in Bangladesch hat am Sonntag tausende Textilarbeiter mit Wasserwerfern und Tränengas auseinandergetrieben, die im Textilindustrie-Zentrum Savar im Nordwesten der Hauptstadt Dhaka für bessere Bezahlung protestierten. "Die Arbeiter haben die Straße verbarrikadiert, wir mussten sie vertreiben, um die Verkehrssituation zu entspannen", sagte der Leiter der Industriepolizei, Sana Shaminur Rahman, der Nachrichtenagentur AFP. Mit den Demonstrationen vom Sonntag gingen die Streiks im Textilsektor in ihre zweite Woche.

Die Arbeiter verlangen seit längerem Lohnerhöhungen und haben in den vergangenen sieben Tagen wiederholt riesige Protestmärsche veranstaltet, bei denen es auch zu Gewalt kam. Ein Textilarbeiter war am Dienstag getötet worden, als die Polizei Gummigeschosse und Tränengas in eine Menge von 5000 Demonstranten feuerte. Nach Polizeiangaben mussten wegen der Streiks bereits 52 Fabriken geschlossen werden.

Fronten zwischen Industrie und Arbeitnehmern sind verhärtet

Gewerkschaftsführer Aminul Islam beschuldigte die Fabrikbesitzer, ihre Arbeit durch Gewalt kontrollieren zu wollen. Die seien aber "vereinter als je zuvor". "Es scheint nicht so, als ob sie die Straßen räumen werden, bis ihre Forderungen erfüllt sind", sagte er AFP.

Bangladesch erzielt rund 80 Prozent seiner Exporteinnahmen mit Kleidungsverkäufen ins Ausland. Im vergangenen Jahr wurde Bekleidung im Wert von 30 Milliarden Dollar (26 Milliarden Euro) verschifft. Zu den zahlreichen Kunden gehören globale Konzerne wie H&M, Primark, Aldi, Walmart und Tesco.

Die Proteste sind der erste wichtige Test für Premierministerin Sheikh Hasina, deren Parteienbündnis Ende Dezember bei den Parlamentswahlen einen hohen Sieg eingefahren hatte. Die Wahl wurde von Gewalt, tausenden Festnahmen und Fälschungsvorwürfen überschattet.

Am schlechtesten bezahlte Mitarbeiter weltweit

Der Mindestlohn für die Geringverdiener unter den Textilarbeitern war im Januar um etwa mehr als 50 Prozent auf 8000 bengalische Taka (83 Euro) im Monat gestiegen. Doch mittelständische Schneider klagten, ihre Lohnerhöhung sei dürftig gewesen und berücksichtige nicht die steigenden Lebenserhaltungskosten, insbesondere für Unterkünfte.

Trotz ihres Beitrags zum Aufstieg des Landes zu einem wichtigen Produktionsstandorts gehören Textilarbeiter in Bangladesch zu den am schlechtesten bezahlten weltweit. Die Industrie ist zudem berüchtigt für ihre schlechten Arbeitsbedingungen. Im April 2013 war die Textilfabrik Rana Plaza unter dem Gewicht mehrerer illegal aufgestockter Etagen eingestürzt. Mindestens 1138 Menschen wurden getötet.

ma/ck

(ce/afp)

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