afp

Polizei darf keine Fotos von Demos auf Twitter veröffentlichen

18.9.2019 0:03 Uhr

Am Dienstag urteilte das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster, dass das Anfertigen von Fotos von friedlichen Demonstrationsteilnehmern durch Essener Polizeibeamte und Veröffentlichen auf Twitter und Facebook nicht rechtens gewesen sei.

Das Anfertigen der Fotos für eine anschließende Veröffentlichung im Zuge der polizeilichen Öffentlichkeitsarbeit sei ein Eingriff in das Versammlungsgrundrecht gewesen, urteilte am Dienstag das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster. (Az. 15 A 4753/18)

"Einschüchternd, abschreckend oder verhaltenslenkend"

Auf den veröffentlichten Fotos der Versammlung in Essen-Steele sind die beiden Kläger in dem Münsteraner Verfahren als Teilnehmer zu sehen. Mit ihrer Klage pochten sie auf die Feststellung, dass das Vorgehen der Polizei rechtswidrig war. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gab den Klägern im vergangenen Oktober Recht. Dagegen legte das Land Nordrhein-Westfalen Berufung ein, die nun vor dem OVG scheiterte. In der mündlichen Urteilsbegründung verwies das Berufungsgericht darauf, dass polizeiliche Foto- und Videoaufnahmen von Versammlungen grundsätzlich geeignet seien, "einschüchternd, abschreckend oder in sonstiger Weise verhaltenslenkend" auf die Teilnehmer einer Versammlung zu wirken.

Filmaufnahmen zur Gefahrenabwehr

Das gelte auch für Aufnahmen, die erklärtermaßen für die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei Verwendung finden sollten. Das Versammlungsgesetz erlaube Film- und Tonaufnahmen nur zur Gefahrenabwehr, stellte der OVG-Senat fest. Auch könne sich das Land nicht auf das Kunsturhebergesetz oder auf die allgemeine Befugnis zu staatlichem Informationshandeln berufen. Denn die Polizei könne über ein Versammlungsgeschehen auch ohne Bilder wie jene im vorliegenden Fall informieren. Dabei müsse sie keineswegs gänzlich auf Bilder verzichten.So könne die Polizei etwa ausschließlich ihre eigenen Einsatzkräfte abbilden oder auf Archivfotos vom Versammlungsort zurückgreifen. Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache ließen die Münsteraner Richter die Revision beim Bundesverwaltungsgericht zu.

(be/afp)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.